Mittelstand

Auch ihnen hilft die Globalisierung


Die „Aerzener Maschinenfabrik“ fertigt bald wieder auf Rekordniveau

Aerzen. Wie stark dieses Maschinenbau-Unternehmen international tätig ist, macht vor allem eine Zahl deutlich: Rund 500 Flüge in alle Welt buchte es letztes Jahr für seine Mitarbeiter.

Dabei gehört es hier, bei der Aerzener Maschinenfabrik 40 Kilometer südwestlich von Hannover, zum guten Ton, sich auf fremde Sitten und Gebräuche einzustellen. So musste der geschäftsführende Gesellschafter Klaus-Hasso Heller in Indien gleich zweieinhalb Stunden im Schneidersitz Platz nehmen – anlässlich des offiziellen Baubeginns für ein Montagewerk. Es war eine anstrengende Prozedur für den groß gewachsenen Mann. „Und es war unglaublich heiß“, erinnert er sich.

Jetzt kommen auch wieder neue Jobs

Ausgerechnet die Globalisierung, die vor dem Hintergrund der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise von manchem als der Grund allen Übels verdammt wurde, erweist sich hier gerade als das wichtigste Mittel gegen die wirtschaftliche Krise: Ohne das Auslandsgeschäft hätte die Aerzener Maschinenfabrik die Krise längst nicht so schnell überwunden.

Erst kürzlich stellte sie ihre  Drehkolbengebläse und Schraubenverdichter auf einer Messe im US-Bundesstaat Arizona vor. Mit diesen Produkten ist die Aerzener weltweit Marktführer. Diese Maschinen werden dort eingesetzt, wo Luft und Gase gefördert, verdichtet oder gemessen werden. Zum Beispiel in der Chemie- und Kunststoff-Industrie, Nahrungsmittel-Industrie, Umwelttechnik oder in Kläranlagen.

Noch in diesem Jahr rechnet Firmenchef Heller damit, dass das Produktionsniveau aus dem Rekordjahr 2008 wieder erreicht wird. Und damit kommen auch neue Jobs. 40 befristete Stellen wurden bereits in feste Arbeitsplätze umgewandelt. 1.800 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, davon 1050 am Stammsitz.

Was ist der Grund für die schnelle Erholung? „Es hat sich ausgezahlt, dass wir sehr frühzeitig auf die fremden Märkte gesetzt haben“, sagt Heller. Wenn zum Beispiel im Hafen von Tunis ein Schraubenverdichter wegen eines Lagerschadens ausfällt, dann wird ein Servicetechniker aus einer Tochtergesellschaft in Frankreich beauftragt.

70 Prozent Export-Anteil

Mehr als 35 Tochtergesellschaften in aller Welt gibt es. Auch in China, Indien und Brasilien, wo Heller besonders starke Wachstumsmärkte erwartet. „Dort werden neue Fabriken und kommunale Entwässerungsanlagen gebaut – und dazu braucht man auch unsere Anlagen.“ Und in Korea will die Aerzener Maschinenfabrik künftig Turbogebläse herstellen; in drei Jahren soll die Fertigung mit bis zu 80 Beschäftigten laufen.

280 Millionen Euro Umsatz erzielte das Unternehmen im letzten Jahr. Die Exportquote beträgt knapp 70 Prozent. Und die Tendenz ist steigend. Im Klartext: Künftig werden wohl noch mehr Flüge gebucht.

 

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