Traditionsunternehmen

Auch Amis setzen auf Power aus Hameln


Reintjes produziert Getriebe für den Schiffbau in aller Welt

Hameln. Die Welle, auf die das Motorboot zuhält, ist gigantisch. Sie überragt die Aufbauten des rund 15 Meter langen Schiffes um gut das Doppelte. Doch das Boot hält unbeirrt Kurs.

Für Sekunden ist nichts an­deres zu sehen als tosende, weiße Gischt. Die Anforderungen an Mensch und Material sind extrem. Das gilt besonders für den Schiffsantrieb. Bei den Getrieben, die für die Manö­vrierfähigkeit eine große Be­deutung haben, verlässt sich  die US Coast Guard auf die Reintjes GmbH in Hameln.

Die Produkte des mittelständischen Betriebes (460 Mitarbeiter) genießen rund um den Globus einen hervorragenden Ruf. Die weltweite Krise im Schiffbau be­kommt je­doch auch Reintjes zu spüren. In den vergangenen Boomjahren lieferten die Hamelner bis zu 1600 Getriebe pro Jahr aus, in diesem Jahr werden es gerade noch etwa 1.300 sein – ein deutlicher Rückgang. Der internationale Schiffsverkehr, vor allem im Containerbereich, leidet. Und die Zulieferer spüren dies mit zeitlicher Verzögerung.

Bedarf an Schiffen nimmt zu

„Doch wir denken in langen Zeiträumen“, sagt Reintjes-Geschäftsführer Christian Schliephack. Denn so viel steht fest: Langfristig wird der Gütertransport und somit der Bedarf nach Schiffen steigen.

Das Traditionsunternehmen, das sich nicht an kurzfristigen Quartalszahlen orientieren muss, kann über das Ende der Krise hinaus planen. In den Boomjahren wurde das verdiente Geld in mo­­derns­te Anlagen investiert – Reintjes ist ein „Leuchtturm“ im Weserbergland. Ein Globalplayer, bei dem neun von zehn Kunden im Ausland sitzen.

Bis zu 500.000 Euro kosten die Getriebe, die weltweit ihren Dienst in Container- und Frachtschiffen, Tankern, Fähren, RoRo-Schiffen sowie Luxus-Jachten leisten.

130 Jahre Tradition

Nach den Gründen des Erfolgs gefragt, übt sich Christian Schliephack in hanseatischem Understatement: „Wir sind doch auch nicht für Ebbe und Flut verantwortlich“, sagt er. Natürlich liegt es an der hohen technischen Qualität der Getriebe, die seit mehr als 130 Jahren bei Reintjes entwickelt und gebaut werden.

Zudem sind die Hamelner in Sachen Innovationen stets ganz weit vorn. Schliephack: „Schiffshüllen werden im Ausland  günstiger  als  in  Deutschland gefertigt. Die Wertschöpfung liefern wir Zulieferer – das ist unsere Stärke.“

Dieser Erfolg ist ganz im Sinne des  verstorbenen Firmeninhabers Eugen Reintjes, der sich auch über seinen Tod hinaus für das Unternehmen, den Mitarbeitern und der Region verantwortlich zeigte.  Er hatte eine Stiftung gegründet. Deren Zweck ist es, das Gesundheits- und Sozialwesen in der Stadt Hameln zu fördern.

Abhängig von der Wirtschaftslage wird nach Feststellung des Jahresabschlusses eine Ausschüttung an die Stiftung vorgenommen. Über die Verwendung entscheidet der Verwaltungsrat.

Familienzentrum in Planung

Nun gibt es in Hameln einen Eugen-Reintjes-Kindergarten und eine nach dem Unternehmer benannte Schule. Aktuell wird die Gründung eines Eugen-Reintjes-Familienzentrums vorangetrieben.

„Auf diese Weise bleibt der Name Eugen Reintjes in den Köpfen der Menschen erhalten“, sagt Schliephack.

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