Ausgeschlafene Textilien

Atmungsaktive Klimazonen, superweiche Decken: So sorgt Sanders für einen gesunden Schlaf

Bramsche. Der Mensch ist eine Schlafmütze. Die Deutschen verpennen gut ein Drittel ihrer durchschnittlich 80 Lebensjahre. „Ob wir diese Zeit entspannt schlafen, hängt auch von Decke und Kissen ab“, sagt Günter Schulz, Produktentwickler bei dem Bettdecken-Produzenten Gebrüder Sanders in Bramsche (Niedersachsen).

Dort stellt das 1885 gegründete Familienunternehmen mit 150 Mitarbeitern pro Jahr neun Millionen Quadratmeter Stoffe für Kissen, Bettdecken und Matratzenauflagen her. Was aus dem Stoff dann werden soll, fügt Produktionsleiterin Jitka Svec in der Musternäherei in Bramsche zusammen. Der Großteil der Kissen und Bettdecken wird später unter anderem in einem Werk in der Ukraine genäht und konfektioniert.

Tiefschlaf verlängert sich um die Hälfte

Fast jeder fünfte Deutsche schläft heute in Bett-Textilien aus Bramsche, die auch an deutschen Standorten produziert werden. Jährlich verlassen etwa 1,6 Millionen weiche Hüllen und knapp 1,5 Millionen mit Daunen gefüllte Bettwaren die zu Sanders gehörenden Bettfedernfabriken im niedersächsischen Bad Bentheim und Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. „In ihnen steckt ausgeschlafene Technik“, so Schulz. Beispiel: die „Climabalance“-Decke. „Einfach gesagt hat diese Decke eine ganze Menge Löcher“, erklärt der Chef-Entwickler und hält die Daunendecke hoch. Vor zehn Jahren wurde der Diplom-Ingenieur für diese Idee noch belächelt. „Decken müssen dicht sein, die Wärme halten. So war die gängige Lehrmeinung“, erinnert er sich.

Sanders räumte mit diesem Grundsatz auf und setzte Quadrate aus einem textilen Gittergeflecht in die Decke ein: „Durch diese Öffnungen entweichen die beim Schlaf entstehende Feuchtigkeit und überschüssige Wärme dreimal schneller als bei herkömmlichen Decken“, erklärt Schulz. Angenehmer Effekt: Man schläft ruhiger, die wichtigen Tiefschlafphasen werden um bis zu 50 Prozent verlängert. Das haben Tests im Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg ergeben.

Die klimaregulierende Decke hat sich das Unternehmen, das dieses Jahr voraussichtlich 53 Millionen Euro Umsatz machen wird, weltweit patentieren lassen. Es gibt sie in über 30 Ländern. Jetzt soll auch China hinzukommen. „Wir wollen sie zu einer Marke auf Chinas wachsendem Luxusgütermarkt aufbauen“, sagt Unternehmens-Chef Hans-Christian Sanders. Da ist er bei den Asiaten genau richtig. Die pflegen ein ganz besonderes Verhältnis zum Schlaf. So ist der Mittagsschlaf in China per Gesetz verankert. Ihren mittäglichen Power-Schlummer halten die Menschen dort ganz ungeniert an den ungewöhnlichsten Orten. Etwa in klimatisierten Möbelhäusern wie der Ikea-Filiale in Peking.

„Schlafen müssen Menschen schließlich rund um den Globus“, sagt Sanders. Bedenken, dass sein Unternehmen in nächster Zeit Federn lassen muss, hat er nicht: „Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt.“


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