Beruf und Familie

Atempause im Alltagsstress


Hanau. Den Anforderungen im Job und zu Hause gerecht werden, das ist nicht einfach. Der Materialtechnologie-Konzern Umicore bietet jetzt als einer der Ersten der Chemie-Branche eine besondere Hilfe an, wenn die Belastung zu groß wird: 80 Prozent arbeiten und 100 Prozent Gehalt beziehen – ohne Rückzahlung! Möglich macht’s der Demografie-Fonds.

Zu schön, um wahr zu sein? „Wir stellen unseren Mitarbeitern diese Möglichkeit in Kürze zur Verfügung“, so Carsten Neumann, Personalleiter am Standort Hanau. „Lebensphasenorientierte Arbeitszeitgestaltung“ („RV 80“) heißt das Modell. Gemeinsam mit dem Betriebsrat definiert Neumann gerade bestimmte „Lebensphasen“, bei denen die Hilfe greifen soll.

„Etwa bei der Pflege Angehöriger“, so Neumann, „oder wenn jemand nach der Elternzeit nicht gleich wieder voll in den Beruf einsteigen kann.“ Umicore überlegt, die Regelung auch für Alleinerziehende, für Vor- oder Nachsorgezeiten bei Erkrankung oder bei fehlender Kinderbetreuung anzuwenden. Bis zu sechs Monate darf man diese Hilfe in Anspruch nehmen.

„Theoretisch wäre die Unterstützung auch für eine berufsbegleitende Weiterbildung möglich oder ein Ehrenamt“, erklärt Clemens Volkwein, Demografie-Berater beim Arbeitgeberverband HessenChemie. Das ist bei Umicore vorerst nicht geplant.

Finanziert wird das Modell durch einen Zusatz in dem 2008 abgeschlossenen Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“. Die Arbeitgeber zahlen von 2013 bis 2015 jährlich im Schnitt 200 Euro pro Beschäftigten ein. Insgesamt sind das über 200 Millionen Euro, etwa zum Auffüllen von Lebensarbeitszeitkonten.

Umicore will das Geld jedoch lieber für das an Lebensphasen orientierte Arbeitszeit-Modell einsetzen. Warum? „Wir möchten unsere Mitarbeiter genau dann unterstützen, wenn sie in bestimmten Situationen besonders belastet sind“, sagt Neumann: „Und das schnell und unbürokratisch.“

Kann sich jeder für das Programm melden? „Im Prinzip schon, über den Antrag entscheiden wir zeitnah gemeinsam mit dem Betriebsrat“, sagt der Personalleiter. Wer sich beeilt, hat vermutlich die besseren Karten. Denn sobald der Topf leer ist, wird das Programm abgeschlossen. Was ist, wenn sich keiner meldet? „Verloren geht das Geld auf keinen Fall!“, verspricht Neumann.

Und was hat das Unternehmen von der Sache? Neumann: „Wir arbeiten immer daran, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein. Dieses Programm ist ein weiterer Baustein unseres Angebots zur besseren Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben.“

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