Standortsicherung in Deutschland

Assa Abloy setzt auf flexible Produktion

Albstadt. Auf großen Monitoren in der Fabrikhalle sind die Kundenaufträge aufgelistet, die in jeder Produktionsgruppe erledigt werden müssen. Was die Bildschirme nicht verraten: „Die Reihenfolge bestimmen die Mitarbeiter inzwischen weitgehend selbst“, sagt Siegfried Weber, Werkleiter von Assa Abloy in Albstadt.

Aufträge, die bald fertig werden müssen, sind gelb eingefärbt – bei Rot wäre die Gruppe im Verzug. Wenn ein Auftrag erledigt ist, wird das mit einem Barcode-Scanner ins Computersystem eingegeben – dann scheint der Auftrag an der nächsten Station im Werk auf. So lässt sich der Ablauf vom Auftragseingang bis zum Versand effizient steuern.

Die Bildschirme sind ein sichtbares Zeichen für die Neuerungen, die der Spezialist für Schließsysteme in den vergangenen Jahren in Albstadt eingeführt hat. Gearbeitet wird nicht mehr an Produktionsstraßen, wo jeder Mitarbeiter eine bestimmte Tätigkeit verrichtet, sondern in Produktionszellen, in denen die Gruppe alle Arbeiten untereinander verteilt. „Unsere Mitarbeiter sind an vier bis fünf verschiedenen Arbeitsplätzen tätig“, so Weber.

Das ist zwar abwechslungsreich – aber manchmal auch stressig. „Man muss sich selbst gut organisieren können“, sagt Robert Seibert, der in der Vorfertigung mehrere Maschinen bedient.

Die veränderten Abläufe sollen für Assa Abloy vor allem eines bringen: mehr Flexibilität. „Wenn der Kunde bestellt, hat er seine Lieferung innerhalb von zwei Tagen“, postuliert der Werkleiter. Und der Kunde könne auch nur ein oder zwei Teile bestellen – ohne Aufschlag.

Dafür setzt das Unternehmen nicht etwa auf ein großes Lager, sondern auf rasche Fertigung je nach Bestellung. Nur 16 bis 18 Prozent der rund 20.000 Artikel im Sortiment hat man vorrätig. Mit schnellem Service und Qualität made in Germany kann sich Albstadt als Hochlohnstandort auch gegen die Konkurrenz aus dem Fernen Osten behaupten.

Das Werk mit rund 400 Beschäftigten ist innerhalb der schwedischen Gruppe Spezialist für elektromechanische Verriegelungen, also Türschlösser, die per Knopfdruck geöffnet werden. Die ständige Weiterentwicklung der Organisation im Werk und die pfiffige Produktentwicklung machen Albstadt zu einer Perle des Konzerns, für den weltweit 44.000 Menschen arbeiten: Im Ranking aller Produktionsstandorte in Europa, Nahost und Afrika wurde das Werk zur Nummer eins gekürt – und das zum sechsten Mal in Folge!

Übrigens: Die hohe Flexibilität, die den Beschäftigten in Albstadt abverlangt wird, versucht das Unternehmen zurückzugeben – damit die Mitarbeiter Beruf und Familie gut unter einen Hut bekommen können. Werkleiter Weber macht das mit einem Beispiel klar: „Wir haben hier mehr als 30 verschiedene Arbeitszeitmodelle.“


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Schlagwörter: Arbeitsmarkt

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