Jobs in der Kautschuk- und Kunststofftechnik

Artemis macht seine Arbeitsplätze systematisch altersgerecht

Hannover. Maik Tranelis (46) wird sich bald schon weniger bücken müssen. Eine neue, um 200 Millimeter erhöhte Säge mit Rollenbahnen erleichtert ihm künftig die Arbeit. Sein Job ist es unter anderem, Metallrohre mit speziellem Innenleben, sogenannte Ölpumpenstatoren, zu kürzen. Das ist schwierig und erfordert Konzentration. „Eine solche Tätigkeit ein Leben lang zu verrichten, ist eine echte Herausforderung“, sagt Alexander Walter, Personalleiter der Artemis Kautschuk- und Kunststoff-Technik GmbH in Hannover.

Das Unternehmen, das Riemen, Förderbänder, Spezialpumpen und Formteile aus Gummi produziert, nimmt deshalb seit dem Jahr 2012 seine 190 Arbeitsplätze systematisch unter die Lupe. „Wir müssen mit älter werdenden Belegschaften wettbewerbsfähig bleiben“, begründet der Personalleiter die Maßnahmen. „Die Arbeitsplätze sollten deshalb möglichst wenige physische und psychische Belastungen bringen und gesundheitserhaltend gestaltet sein.“

Unterstützung erhielt der Betrieb vom Projekt „InnoFaktor“, das vom Bundesbildungsministerium und vom Europäischen Sozialfonds finanziert wird. Es entwickelt Strategien zur Bewältigung des demografischen Wandels.

Rund 140 Arbeitsplätze wurden im Rahmen von Begehungen schon untersucht: Der Mitarbeiter selbst sowie außenstehende Experten (Sicherheitsfachkraft, Betriebsrat, Teammeister und Arbeitswissenschaftler) bewerteten sie nach den vier Kategorien „Arbeitszeit“, „Arbeitsumgebung“, „Muskel/Skelett“ und „Arbeitsorganisation“. So entstand für jeden Arbeitsplatz eine Übersicht der Belastungen.

Auf die wird nun Stück für Stück reagiert: etwa mit Trittschutzmatten, besserer Beleuchtung, höhenverstellbaren Arbeitsflächen, Trage- und Hebehilfen und vielem mehr. Nicht alles geht sofort, einiges erfordert organisatorische Veränderungen und braucht Zeit. „An manchen Arbeitsplätzen kann Ergonomie allein nichts ausrichten“, sagt Personalchef Walter. Deshalb erwägt man dort eine Arbeitsplatzrotation, um die Belastungen auf mehrere Schultern zu verteilen.

Freilich ist nicht jeder Mitarbeiter für jeden Arbeitsplatz qualifiziert. Und manche wollen auch ihren Einsatzort nicht verändern – denn die Rotation birgt für sie die Gefahr, Entgeltzulagen zu verlieren. Darüber hinaus müssen bestehende Schichtmodelle verändert werden. „Gegen Bedenken hilft nur offene Aufklärung“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Nico Winkler. Die Arbeitnehmervertretung unterstützt das Vorhaben nach Kräften. „Qualitativ verbesserte Arbeitsplätze sind auch sicherere Arbeitsplätze. Wir stehen voll hinter der Aktion“, sagt Winkler.

Firmen-Steckbrief

Artemis Kautschuk- und Kunststoff-Technik

Die 1975 gegründete Artemis Kautschuk- und Kunststoff-Technik GmbH in Hannover entwickelt und produziert Statoren und Rotoren für sogenannte Exzenterschneckenpumpen, die etwa in der Erdöl-Industrie eingesetzt werden. Außerdem Riemen und Förderbänder für die Agrartechnik sowie Formteile für diverse Branchen. Artemis gehört seit 1993 zur Arnold Jäger Holding.

Internet: artemis-kautschuk.de


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