Kampagne „So möchte ich arbeiten!“

Arbeitszeit: Verbände fordern mehr Flexibilität – für Beschäftigte und Betriebe

Von der Erdbeerernte bis zum Oktoberfest: Die Wirtschaft setzt sich für mehr Spielräume bei der Verteilung der Stunden ein. Die Kampagne der Arbeitgeber gibt Beispiele dafür, warum es jetzt eine Änderung der starren Gesetze braucht.

Stellte die Kampagne vor: Alfred Gaffal, der Präsident der vbw. Foto: vbw

Stellte die Kampagne vor: Alfred Gaffal, der Präsident der vbw. Foto: vbw

Zusammenschluss: Zahlreiche Verbände unterstützen die Forderungen. Foto: vbw

Zusammenschluss: Zahlreiche Verbände unterstützen die Forderungen. Foto: vbw

München. Unsere Arbeitswelt verändert sich. Beschäftigte arbeiten heute digital und mobil. Aufgaben werden zunehmend über Länder- und Zeitgrenzen hinweg erledigt. Weltweit haben Geschäftspartner und Kunden individuelle Wünsche. Wer wettbewerbsfähig bleiben will, muss schnell reagieren. Aber: Das starre Arbeitszeitgesetz in seiner heutigen Form bildet diese Realität nicht ab.

„Die deutschen Arbeitszeitregelungen stammen aus den 70er und 80er Jahren und brauchen dringend ein Update“, sagt Alfred Gaffal, der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Mit den Mitgliedsverbänden hat die vbw deshalb die Kampagne „So möchte ich arbeiten“ für mehr Flexibilität gestartet.

Wie wichtig mehr Freiräume bei der Verteilung der Arbeitszeit sind, erläuterte unter anderem der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bei der Vorstellung der Kampagne in München. Ein Beispiel: Zur Hochzeitsfeier treffen Brautpaar und Gäste um 17 Uhr im Lokal ein. Die Party sollte wie verabredet um ein Uhr nachts enden. Weil die Stimmung gut ist, möchte die Gesellschaft spontan bis vier Uhr morgens weiterfeiern.

Geht nicht, sagt das Arbeitszeitgesetz: Die Kellner arbeiten seit nachmittags, ihre zulässige Stundenzahl ist erreicht. Der Wirt muss wählen: Die Gäste an die Luft setzen oder ein Bußgeld kassieren? Dürften die Beschäftigten dagegen frei entscheiden, könnten sie für den besonderen Anlass länger bleiben – und dafür am nächsten Tag früher Feierabend machen. Damit wäre allen geholfen.

Die Arbeitgeber betonen: Es geht nicht darum, dass künftig länger und mehr gearbeitet wird. Sondern darum, dass die verfügbaren Stunden flexibler eingesetzt werden. So können Unternehmen Produkte und Dienstleistungen dann anbieten, wenn der Kunde es will, und Aufträge bearbeiten, sobald die Zulieferung da ist.

Nicht zuletzt sind flexiblere Arbeitszeiten auch im Interesse der Beschäftigten. Mehr Freiraum erleichtert es ihnen, Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen. Etwa für Besorgungen zwischendurch oder private Termine.

Damit das möglich ist, muss sich auf Gesetzesseite aber etwas ändern. Die Begrenzung der täglichen Arbeitszeit auf zehn Stunden sei nicht mehr zeitgemäß, führte Gaffal aus.

Stattdessen müsse der Spielraum der Europäischen Richtlinie ausgeschöpft werden. Sie sieht eine wochenbezogene Betrachtung mit einer Arbeitszeit von maximal 48 Stunden im Schnitt vor.

Starre Vorschriften erschweren auch die Erdbeerernte

Darüber hinaus müsse die elfstündige tägliche Mindestruhezeit abgeschafft werden. „Es muss möglich sein, nach Dienstschluss noch eine kurze Nachricht an einen Kollegen zu schicken, ohne dass die Ruhezeit wieder von vorne zu laufen beginnt“, so Gaffal weiter. Solche gelegentlichen, kurzfristigen Tätigkeiten sollten erlaubt sein.

Beispiele weiterer Branchenverbände machen deutlich, warum das nötig ist. Im Baugewerbe etwa spielt das Wetter eine große Rolle. Scheint die Sonne, wird fleißig gemauert, damit alles rechtzeitig fertig wird. Ein ständiger Blick auf die Uhr sollte dabei nicht nötig sein. In der Land- und Forstwirtschaft bestimmt die Saison das Pensum. Sind beispielsweise die Erdbeeren reif, müssen sie geerntet werden, sie verderben schnell.

Und mehr Flexibilität bei der Verteilung der Arbeitszeit würde auch Schreinern und Zimmerleuten zugute kommen. Etwa um den Aufbau von Großveranstaltungen wie Messen oder das Münchner Oktoberfest leichter und fristgerecht zu stemmen.


Kampagne: „So möchte ich arbeiten!“

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) hat zusammen mit 31 Mitgliedsverbänden die Kampagne „So möchte ich arbeiten!“ für mehr Flexibilität in der Arbeitszeit gestartet. Mitarbeiter aus verschiedenen Branchen erklären dabei, warum mehr Freiräume bei der Verteilung der täglichen Arbeitszeit für sie selbst, für ihre Arbeit­geber und nicht zuletzt auch für die Verbraucher wichtig sind. Etwa in ­Gastronomie und Tourismus, Spedition und Logistik oder der Metall- und Elektroindustrie.

Die Kampagne im Internet:
so-moechte-ich-arbeiten.de

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