Handwerk

Arbeiten wie vor drei Jahrhunderten


Meissener Porzellan: Nur 36 Millionen Euro Umsatz, aber 800 Mitarbeiter

Meißen. Würde ein Auto-Hersteller so produzieren wie vor 100 Jahren – er hätte es schwer am Markt. Ramona Kestel hingegen hat den gleichen Arbeitsalltag wie jene Kollegen, die schon vor 300 Jahren in ihrer Firma tätig waren. Die Kundschaft in aller Welt will es so.

Mit leichter Hand führt sie den Pinsel. „Die Blütenkette mit den vielen winzigen Details ist eine Herausforderung“, erklärt die Mitarbeiterin der Porzellan-Manufaktur Meissen. Die Figurengruppe ist sehr filigran  –  das verlangt höchste Konzentration beim Bemalen. Erst nach sechs Tagen ist der Dekor komplett und kann in die Glasur gebrannt werden.

Ein eigenes Bergwerk

Bis aufs Brennen wird in dem 1710 gegründeten Betrieb alles mit der Hand gemacht: das Modellieren, das Glasur-Auftragen, das Bemalen und Vergolden.

„Es hat sich wenig geändert“, sagt Geschäftsführer Hannes Walter, „seitdem Johann Friedrich Böttger vor 300 Jahren das Geheimnis des Porzellans entschlüsselte“.

So viel Aufwand hat seinen Preis. Ein Tafelservice für sechs Personen kostet 6.000 Euro und mehr, ein Kaffeeservice 3.000 Euro. Gleichwohl kommen die Käufer aus allen Schichten der Bevölkerung, betont Firmenchef Walter.

Die Handarbeit zeigt sich auch in der Bilanz: 75 Prozent der Kosten sind Personalausgaben. 800 Beschäftigte arbeiten für das Unternehmen, darunter 450 Porzellanmaler und -gestalter sowie 16 Auszubildende. Zwei haben ihren Arbeitsplatz  im 15 Kilometer entfernten Seilitz, wo sie in Deutschlands kleinstem Bergwerk Kaolin abbauen. Er wird gereinigt, anschließend mit Feldspat und Quarz gemischt – die Masse des Meissener Porzellans.

Sie kommt als lange, dicke „Wurst“ zum Modellieren an. Teller dreht man auf der Töpferscheibe, doch der Großteil der aktuell 180.000 Artikel entsteht in Arbeitsformen.

200.000 Modelle im Archiv

Wie das geht, macht Former Dirk Kirste vor. Er verteilt den mit verblüffender Genauigkeit geschätzten Batzen Porzellanmasse in einer Gipsform, presst die zweite Formhälfte dagegen und stellt das Ganze ins Regal. „Der Gips entzieht der Masse Feuchtigkeit“, erklärt er.


Nach einiger Zeit lassen sich die Teile entnehmen. Sie werden mit verdünnter Porzellanmasse  („Schlicker“) sorgfältig zur Plastik zusammengefügt. Aus bis zu 100 Einzelteilen können die Kunstwerke bestehen.

Nach der vollständigen Trocknung folgt der erste Brand. Und dann das „Schwertern“: Ebenfalls per Hand wird das weltberühmte  Warenzeichen der „Gekreuzten Schwerter“ aufgetragen. Weiter geht’s  mit Glasur und Glattbrand: Bei 1.450 Grad bekommt das Porzellan seine einzigartigen Eigenschaften wie die besondere Weiße, große Härte sowie die glänzende Oberfläche.

Gut 36 Millionen Euro hat die Manufaktur 2007 umgesetzt, die Hälfte davon im Ausland – in Japan und Taiwan wie auch in Amerika und Russland. Im Kampf um die globale Kundschaft bringt sie immer wieder neue Formen und Dekore hervor. Wie etwa das Service „Wellenspiel“ mit schlichteleganten Kornblumen-, Margeriten- und Mohn-Dekor.

Es ist sozusagen der neueste Schrei – und doch nur die Fortsetzung einer langen Geschichte. 10.000 Farb-Rezepte lagern mittlerweile im Labor. Und im Formen-Archiv 200.000 Modelle.

Uwe Rempe

 

Info: Die Manufaktur besuchen

Die Porzellan-Manufaktur Meissen unterhält ein eigenes Museum mit einem Meissen-Shop. Es ist  ganzjährig geöffnet (nur vom 24. bis 26. Dezember geschlossen) und zählt im Schnitt rund 1.000 Besucher pro Tag. Zu bestaunen sind Schätze aus drei Jahrhunderten. Zudem zeigen Schauwerkstätten, welcher Aufwand hinter Meissener Porzellan steckt. Wer einen genauen Blick hinter die Kulissen werfen will, hat dazu zweimal im Jahr Gelegenheit – beim Tag der offenen Tür. Termine: 19. April und 18. Oktober.

Mehr Infos: Telefon 03521/468-600.  www.meissen.com

Meissener Porzellan: Nur 36 Millionen Euro Umsatz, aber 800 Mitarbeiter

Meißen. Würde ein Auto-Hersteller so produzieren wie vor 100 Jahren – er hätte es schwer am Markt. Ramona Kestel hingegen hat den gleichen Arbeitsalltag wie jene Kollegen, die schon vor 300 Jahren in ihrer Firma tätig waren. Die Kundschaft in aller Welt will es so.

Mit leichter Hand führt sie den Pinsel. „Die Blütenkette mit den vielen winzigen Details ist eine Herausforderung“, erklärt die Mitarbeiterin der Porzellan-Manufaktur Meissen. Die Figurengruppe ist sehr filigran  –  das verlangt höchste Konzentration beim Bemalen. Erst nach sechs Tagen ist der Dekor komplett und kann in die Glasur gebrannt werden.

Ein eigenes Bergwerk

Bis aufs Brennen wird in dem 1710 gegründeten Betrieb alles mit der Hand gemacht: das Modellieren, das Glasur-Auftragen, das Bemalen und Vergolden.

„Es hat sich wenig geändert“, sagt Geschäftsführer Hannes Walter, „seitdem Johann Friedrich Böttger vor 300 Jahren das Geheimnis des Porzellans entschlüsselte“.

So viel Aufwand hat seinen Preis. Ein Tafelservice für sechs Personen kostet 6.000 Euro und mehr, ein Kaffeeservice 3.000 Euro. Gleichwohl kommen die Käufer aus allen Schichten der Bevölkerung, betont Firmenchef Walter.

Die Handarbeit zeigt sich auch in der Bilanz: 75 Prozent der Kosten sind Personalausgaben. 800 Beschäftigte arbeiten für das Unternehmen, darunter 450 Porzellanmaler und -gestalter sowie 16 Auszubildende. Zwei haben ihren Arbeitsplatz  im 15 Kilometer entfernten Seilitz, wo sie in Deutschlands kleinstem Bergwerk Kaolin abbauen. Er wird gereinigt, anschließend mit Feldspat und Quarz gemischt – die Masse des Meissener Porzellans.

Sie kommt als lange, dicke „Wurst“ zum Modellieren an. Teller dreht man auf der Töpferscheibe, doch der Großteil der aktuell 180.000 Artikel entsteht in Arbeitsformen.

200.000 Modelle im Archiv

Wie das geht, macht Former Dirk Kirste vor. Er verteilt den mit verblüffender Genauigkeit geschätzten Batzen Porzellanmasse in einer Gipsform, presst die zweite Formhälfte dagegen und stellt das Ganze ins Regal. „Der Gips entzieht der Masse Feuchtigkeit“, erklärt er.


Nach einiger Zeit lassen sich die Teile entnehmen. Sie werden mit verdünnter Porzellanmasse  („Schlicker“) sorgfältig zur Plastik zusammengefügt. Aus bis zu 100 Einzelteilen können die Kunstwerke bestehen.

Nach der vollständigen Trocknung folgt der erste Brand. Und dann das „Schwertern“: Ebenfalls per Hand wird das weltberühmte  Warenzeichen der „Gekreuzten Schwerter“ aufgetragen. Weiter geht’s  mit Glasur und Glattbrand: Bei 1.450 Grad bekommt das Porzellan seine einzigartigen Eigenschaften wie die besondere Weiße, große Härte sowie die glänzende Oberfläche.

Gut 36 Millionen Euro hat die Manufaktur 2007 umgesetzt, die Hälfte davon im Ausland – in Japan und Taiwan wie auch in Amerika und Russland. Im Kampf um die globale Kundschaft bringt sie immer wieder neue Formen und Dekore hervor. Wie etwa das Service „Wellenspiel“ mit schlichteleganten Kornblumen-, Margeriten- und Mohn-Dekor.

Es ist sozusagen der neueste Schrei – und doch nur die Fortsetzung einer langen Geschichte. 10.000 Farb-Rezepte lagern mittlerweile im Labor. Und im Formen-Archiv 200.000 Modelle.

Uwe Rempe

 

Info: Die Manufaktur besuchen

Die Porzellan-Manufaktur Meissen unterhält ein eigenes Museum mit einem Meissen-Shop. Es ist  ganzjährig geöffnet (nur vom 24. bis 26. Dezember geschlossen) und zählt im Schnitt rund 1.000 Besucher pro Tag. Zu bestaunen sind Schätze aus drei Jahrhunderten. Zudem zeigen Schauwerkstätten, welcher Aufwand hinter Meissener Porzellan steckt. Wer einen genauen Blick hinter die Kulissen werfen will, hat dazu zweimal im Jahr Gelegenheit – beim Tag der offenen Tür. Termine: 19. April und 18. Oktober.

Mehr Infos: Telefon 03521/468-600.  www.meissen.com

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