Erst Büro, dann Kinderzimmer

Arbeit und Privatleben unter einen Hut bringen? Bei der Metallfirma Sanha klappt das gut

Essen. Mamas Büro durfte der achtjährige Mads bereits kennenlernen. Denn in den Ferien wird es manchmal eng mit der Betreuung. „Kein Problem, mein Chef hat selbst sieben Kinder“, lächelt Jasmin Kaufmann. Sie arbeitet in der IT-Abteilung von Sanha, einem führenden Produzenten von Rohrleitungssystemen für Heizung, Wasser und Sanitär.

Sanha ist ein Familienunternehmen – im doppelten Sinn: Es legt großen Wert darauf, dass Mütter und Väter Beruf und Familie unter einen Hut bringen können.

Jasmin Kaufmann versorgt in der Essener Zentrale, die 135 Mitarbeiter hat, Außendienstler mit Tablets und Notebooks. Zudem ist die junge Frau dafür zuständig, Tag für Tag einen Teil der Firmendaten wie Rechnungen und Verträge auf speziellen Datenträgern zu sichern und in den Tresor zu legen. „Das kann ich nicht in Telearbeit machen. Für den Kleinen war es aber spannend, zu erfahren, wo Mama jeden Tag hingeht.“

Flexibilität des Arbeitgebers war für die junge Mutter ein Grund, sich zu bewerben

Ihr Mann ist als Außendienstler eines Großunternehmens viel unterwegs. Deshalb ist der zweifachen Mutter ein flexibler Arbeitgeber sehr wichtig. „Das war mit ein Kriterium dafür, dass ich mich hier beworben habe“, sagt sie. Sie arbeitet 20 Stunden die Woche. So kann Jasmin Kaufmann nachmittags nach den Hausaufgaben schauen oder mit ihren beiden Söhnen „Mensch ärgere Dich nicht“ spielen.

„Wir sind in der Lage, unsere Arbeitszeitmodelle auf persönliche Bedürfnisse anzupassen“, betont Personalleiter Christian Mundt. Er weiß auch: „Flexible Arbeitszeiten sind bei Bewerbern ein Thema.“

Gerade deshalb engagieren sich die Betriebe der Metall- und Elektro-Industrie so. Doch es gibt noch einiges zu tun. Über die Hälfte der Frauen und Männer im Alter zwischen 30 und 50 haben laut einer aktuellen Studie im Auftrag des Familienministeriums Probleme, Beruf und Familie zu vereinbaren.

„Wenn man die Stunden anspart, kann man ein paar Tage oder eine Woche freinehmen“, sagt Lagerfacharbeiter Martin Czajka. Dann geht er mit seinen beiden Töchtern beispielsweise in den Freizeitpark oder zum Musical: Von der Firma gibt es vergünstigte Karten für Familien. Notfalls kann man das Zeitkonto sogar ins Minus laufen lassen. „Sind die Kinder krank, lässt sich mit dem Vorgesetzten über alles reden“, sagt Czajka.

Dabei brummt das Geschäft, der Umsatz legte 2015 um 3 Prozent zu. Grund sind unter anderem die bleifreien Verbindungsstücke für Trinkwasserrohre, die einzig die Essener herstellen. Weil die Grenzwerte für das giftige Metall in ganz Europa verschärft wurden, fragen vor allem Kitas- und Krankenhausbetreiber die bleifreien Fittings nach.

Carsten Morbitzer hat als Leiter des Vertriebsinnendiensts deshalb alle Hände voll zu tun. Dennoch geht er mittwochs früher, um die Tochter zum Training zu fahren. Was dabei hilft: die Digitalisierung! „Wir verteilen die Aufgaben europaweit“, erzählt Morbitzer.

Sanha hat mehrere Standorte in Deutschland sowie in Polen und Belgien. „Bei einem Auftragshoch können Kunden von Polen aus betreut werden, eine Kollegin aus Ostdeutschland arbeitet der Zentrale zu.“ Die Firma unterstützt die Arbeit von zu Hause aus, setzt auf Skype und Telefonkonferenzen. „Künftig wollen wir diese Möglichkeiten verstärkt einsetzen“, so Personaler Mundt.


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