Medizintechnik

Apparate fürs Leben


Weltmarktführer Fresenius Medical Care baut seine Dialysegeräte in Schweinfurt

Schweinfurt. Der erste Eindruck verwirrt: Ein bunter Haufen aus Kabeln und Schläuchen knäult sich um Pumpen, Ventile und Motoren. Montiererin Rosemarie Dotzel wirft einen prüfenden Blick auf das scheinbare Chaos: „Da sitzt jeder Schlauch und jede Schraube am richtigen Platz, an diesem Gerät stimmt alles“, sagt sie. Muss es auch. Denn daran hängen Menschenleben: Das Dialysegerät steuert die Blutreinigung von Patienten mit Nierenversagen.

Ein Dialysegerät 10.000 Einzelteile

Seit 13 Jahren setzt Frau Dotzel bei Fresenius Medical Care (FMC) in Schweinfurt Dialysemaschinen zusammen. Diese Hightech-Geräte steuern die Dialysatoren, künstliche Nieren, die Giftstoffe und überschüssiges Wasser aus dem Blut von Menschen mit Nierenversagen herausfiltern.

Rund um den Globus verlassen sich die Patienten auf die Sorgfalt der Belegschaft in Schweinfurt, die im wahrsten Sinne des Wortes Hand in Hand arbeitet: Gut eine Woche dauert es, bis ein einziges Dialysegerät aus 10.000 Einzelteilen korrekt zusammengebaut ist.

Eine weitere Woche durchläuft jede einzelne Maschine die strenge Qualitätskontrolle: „Kein Gerät geht ungeprüft zum Kunden“, versichert Informationselektronikerin Marika May. Nach 19 Jahren weiß sie ganz genau, wo die Fehlerquellen sitzen. „Was hier rausgeht ist 100 Prozent in Ordnung“, sagt sie.

Und wenn doch mal eine Panne passiert? „Dann sorgen wir dafür, dass der Fehler nicht beim Patienten ankommt“, versichert Werkleiter Christoph Sahm. Die Sicherheits-Software entwickelt FMC – wie die Maschine selbst – im eigenen Haus.

Forschung für bessere Blutwäsche

Wie zuverlässig die Technik ist, erläutert der Abteilungsleiter Produktion, Matthias Reuss, an einem Beispiel: „Unsere Dialysegeräte laufen in den Kliniken bis zu 5000 Stunden im Jahr. In dieser Zeit muss man sie nur ein Mal warten. Ein Auto müsste bei gleicher Betriebsdauer etwa 15- bis 30-mal in die Werkstatt.“ Zudem tüfteln rund 250 Entwickler ständig an der Verbesserung der Geräte. Sie wollen eine noch effektivere Blutwäsche, mehr Patienten-Komfort oder eine vereinfachte Handhabung. Deshalb hat die neue Generation einen Eingabe-Bildschirm statt Knöpfen und Tasten.

Um im wachsenden Weltmarkt auch künftig die Nase vorn zu haben, will man die Produktion der Dialysemaschinen bis 2015 jährlich um bis zu 10 Prozent steigern. Klingt nach Stress pur für die Mitarbeiter. Doch die Betriebsrats-Vorsitzende Christel Neumann verneint: „Arbeitsbedingungen und -klima sind bei uns sehr gut, die Kollegen sind stolz darauf, hier zu arbeiten. Außerdem stellen wir ständig Personal ein.“

Schon in der Vergangenheit war das Wachstum atemberaubend: Vor 30 Jahren startete das Unternehmen mit 40 Mitarbeitern am Standort. Die montierten pro Jahr 40 Geräte. Heute bauen 1.100 Kollegen in der gleichen Zeit 40.000 Stück, Tendenz steigend. „Die Nachfrage ist riesig, einer unserer größten Kunden ist China“, verrät der Werksleiter. Warum kauft die Boom-Nation ausgerechnet in Schweinfurt ein? Sahm lächelt: „Weil unser Know-how einmalig ist!“

Sabine Latorre

 

Info: Fresenius Medical Care

Das Unternehmen betreibt über 2.300 Dialysekliniken rund um die Erde und ist mit seinen Dialysemaschinen Marktführer. Im Jahr 2007 erwirtschafteten rund 61.400 Mitarbeiter weltweit einen Umsatz von 7,1 Milliarden Euro.

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