Hightech für den Schießsport

Anschütz: Die Meistermacher der Biathleten wollen auch Jäger begeistern

Ulm. Sie misst nur 4,5 Zentimeter und ist 50 Meter entfernt. Auf diese Zielscheibe schießen Biathleten im Liegen. Auch bei frostigen Temperaturen und nach einem Dauersprint mit Langlaufskiern muss der Finger am Abzug ruhig sein, die Atmung gleichmäßig.

„Eine enorme körperliche Leistung“, sagt Jochen Anschütz, Geschäftsführer des gleichnamigen Unternehmens. „Die Meistermacher“, wie sich die Ulmer Waffenhersteller selber nennen, haben schon viele Athleten an die Weltspitze begleitet, wie den Norweger Ole Einar Björndalen oder Magdalena Neuner. 97 Prozent aller Biathleten schießen mit einem Anschütz-Gewehr. Bei den olympischen Winterspielen in Sotschi wurden 56 der 60 möglichen Medaillen damit errungen.

Beim Biathlon gilt: Schnelligkeit ist Trumpf! Dafür hat Anschütz einen Verschluss entwickelt, der die Patronen blitzschnell nachlädt und einfach mit Daumen und Zeigefinger zu bedienen ist. Der Vorteil: Das Gewehr muss dazu nicht gedreht werden und bleibt in der richtigen Position.

Ein Biathlongewehr besteht aus etwa 200 Teilen und kostet zwischen 3.500 und 4.000 Euro. „Die meisten Teile fertigen wir selbst, das ist personalintensiv und teuer“, erklärt Anschütz. Er setzt jedoch auf das Wissen und die Erfahrung seiner Mitarbeiter. Deshalb sei es nie eine Überlegung gewesen, woanders als am Stammsitz des Familienunternehmens in Ulm zu produzieren.

Der Spezialist fertigt im Jahr rund 14.000 Freizeitwaffen. Dabei machen die Biathlongewehre weniger als 10 Prozent des Umsatzes aus. Die anderen Bereiche, das sind Luftgewehre, Kleinkaliber und Luftpistolen, bereiten dem Unternehmer häufig Sorgen: „Der Schießsport hat es in Deutschland zunehmend schwer“, bedauert der Geschäftsführer. Außer dem negativen Image machen dem Spezialisten auch die immer strengeren Waffengesetze zu schaffen.

Vor allem im Export, mit dem das Unternehmen rund 60 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet, gibt es immer neue Auflagen. „2013 hätten wir 13,5 Millionen Euro umsetzen können, haben aber nur 12 Millionen gemacht, weil im Herbst ein Gesetz kam, das die Ausfuhr von Waffen außerhalb der EU erschwerte“, erläutert der Chef. Dabei seien die Sportwaffen aus seinem Haus gar nicht für Kriegseinsätze geeignet, „nicht einmal für einen Banküberfall“.

Der Chef und viele Mitarbeiter betreiben Schießsport

Seine Hoffnungen setzt Anschütz jetzt auf die Jagd, wo die Ulmer bisher nur auf einen kleinen Marktanteil kommen. Auch die rege Nachfrage aus den USA ist ein Wachstumstreiber.

Die Freude am Schießsport will sich der Firmenchef indessen nicht verderben lassen und auch einige seiner rund 100 Mitarbeiter betreiben ihn in ihrer Freizeit.

Am firmeneigenen Testschießstand werden die Gewehre der Biathleten regelmäßig geprüft. Hier in der Kältekammer werden sie dem Stresstest ausgeliefert. Auch dabei zählt Qualität: „Bei Minus 20 Grad muss der Lauf des Biathlongewehrs noch hervorragende Präzision erbringen. Das schaffen nur wir.“


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