Fortbildung

Anpacken, lernen, die Krise überbrücken


Beispiel MAN: Wie Kurzarbeit zur Qualifizierung genutzt wird

München. Hochbetrieb in den Schulungsräumen statt an den Montagebändern. Die Wirtschaftsflaute zur Wissensbrise werden zu lassen – so mancher Betrieb nutzt jetzt diese Chance. Schließlich bietet sich normalerweise kaum Gelegenheit, viele Beschäftigte gleichzeitig ohne Zeitverlust in Seminare zu schicken.

Zu sehen ist das in diesen Wochen etwa bei MAN Nutzfahrzeuge. Seit Februar wird kurzgearbeitet. Von Januar bis September sind 53 Prozent weniger MAN-Lkws bestellt worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Deshalb werden in den Werken München, Nürnberg und Salzgitter im Rahmen der Kurzarbeit Beschäftigte geschult. Es ist die bisher größte Weiterbildungsaktion des Unternehmens.

„Über den Tellerrand geschaut“

So erhalten am Standort München die ersten 2.300 gewerblichen Mitarbeiter bald ihr  Teilnahmezertifikat. Es wird belegen, dass sie nach 15 Kurstagen fit in Produktionssystemen sind.

Weitere 1.500 Facharbeiter werden die Qualifizierung bis Sommer 2010 absolvieren. Außerdem werden hier 3000 Angestellte geschult. Von der Bundesagentur für Arbeit erhält MAN pro Mitarbeiter etwa 60 Prozent Förderung. „Wir wollen gestärkt aus der Krise herauskommen“, betont der zuständige Personalleiter Dietmar Klein. „Mit Mitarbeitern, die auf dem aktuellsten Wissensstand sind.“

Einer von ihnen ist Norbert Niekut, im 27. Jahr bei MAN beschäftigt. Er bewertet die Qualifizierung in der Kurzarbeit so: „Ich habe über den Tellerrand geschaut und gemerkt, dass ich für das Ganze mitverantwortlich bin.“ Das freut Peter Attin, den Personaldirektor, der das firmeneigene Weiterbildungsinstitut MAN Academy leitet. „Wenn wir zusätzlich zum Training den Mitarbeitern ihren Beitrag zum Gesamterfolg des Unternehmens vor Augen führen können“, sagt er, „dann haben wir mehr geschafft als erhofft.“

Im Rahmen der Schulung bekam Niekut unter anderem einen Einblick in die Versuchsabteilung. „Es war toll zu sehen, was dort alles an den Achsgetrieben getestet wird. Sonst kriegen wir ja nur unseren Part mit, wenn wir die Werkzeuge an die Maschinen- und Montageplätze liefern.“

Niekut und seine 25 Kollegen arbeiten in einer Instandhaltungstruppe. Da kommen sie viel rum. Pro Schicht werden sie bis zu 150-mal angefordert. Nun hieß es plötzlich, wie in Schulzeiten stillzusitzen vor dem Segmentleiter Tobias Oberprieler: Es ging um Materialbeschaffung, Materialfluss, Produktionsplanung und -durchführung.

Mitsprache als Erfolgsrezept

Vom Arbeiter zum Schüler – das kam zunächst nicht bei jedem gut an. Doch der Schlüssel zum Erfolg lag in der Einbindung der Führungskräfte.

Wie Oberprieler wurden erst die 130 Segmentleiter qualifiziert – von 15 MAN-Fachexperten. Die Segmentleiter mussten das dort Gelernte nicht stur weitergeben. „Wir können Inhalte kürzen oder ändern, die nicht zu unserem Bereich passen“, sagt Oberprieler. Diese Mitsprache sei entscheidend: „Nur wenn ich von etwas überzeugt bin, kann ich das auch meinen Leuten vermitteln.“

Eva Schröder

Weiterbildung auf eigene Faust: Tipps vom Experten

Auch wenn der eigene Betrieb kein Qualifizierungsprogramm für Kurzarbeiter anbietet: „Man kann als Mitarbeiter auch selbst aktiv werden“, betont Helmut Passe-Tietjen, Berater am Zentrum für Weiterbildung der Uni­versität Bremen. Er hat diese Tipps parat:

  • Was gibt’s alles? In der Internet-Datenbank „Kursnet“ der Bundesagentur für Arbeit finden Sie Angebote in Ihrer Region: www.kursnet.arbeitsagentur.de
  • Worauf sollte ich achten? Dass das Angebot transparent ist, das heißt folgende Infos enthält: Ziele, Inhalte und Kosten der Veranstaltung, ob es eine Prüfung gibt und wo sie anerkannt wird, wer der Dozent ist.
  • Kann ich Fördergelder bekommen? Die Arbeitsagenturen übernehmen in einer Vielzahl von Fällen die Kursgebühr teilweise oder sogar komplett. Näheres im Internet: www.einsatz-fuer-arbeit.de
  • Wie komme ich an die Förderung? Indem Sie bei einem Kundenberater der örtlichen Arbeitsagentur vorsprechen und ihm erläutern, was Sie sich von der Maßnahme erhoffen. Ob Sie einen „Weiterbildungsgutschein“ bekommen, hängt in der Regel auch von seinem Ermessen ab.

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