Anpacken nach der Sanierung

Anlagen-Hersteller Hans Lingl versucht einen Neuanfang


Krumbach. Wenn Johann Schnitzler seinen Ofen anschmeißt, wird es richtig heiß. Auf gut 1.150 Grad Celsius fährt er die Anlage meistens hoch, die im Versuchslabor des Maschinenbauers Hans Lingl steht. „Die Temperatur brauchen wir, um die Ziegelproduktion für Kunden zu testen“, sagt Techniker Schnitzler – und legt einen Dachziegel nach.

Lingl baut im schwäbischen Krumbach vor allem Produktionsanlagen für die keramische Baustoff-Industrie, meist zur Herstellung von Mauer- und Dachziegeln. Das Kerngeschäft macht rund 80 Prozent des Umsatzes aus. Nach schwachem Absatz und einer existenziellen Krise im vergangenen Jahr rücken nun aber neue Geschäftsfelder in den Fokus.

„Wir haben einen Neuanfang gemacht, der notwendig war“, erklärt Hugo Schneider dazu, Sanierungsexperte und seit einem Jahr Mitglied der Geschäftsführung. 2013 entließ die Firma mehr als 170 Mitarbeiter, fast ein Drittel der einst rund 550 Beschäftigten.

Für die neuen Geschäftsfelder – unter anderem Anlagen für die technische Keramik und Hochtemperaturöfen bis 1.600 Grad Celsius – hat Lingl schon Aufträge erhalten. Ausrüstungen für die technische Keramik sind besonders in China gefragt: Mit den Maschinen von Lingl werden Filter für Industrie-Anlagen hergestellt.

Außerdem wird Lingl in Zukunft die Anbieter von Sanitärkeramik (also etwa Waschbecken und Toilettenschüsseln) ausrüsten: Duravit im Schwarzwald ist der erste Kunde. „Da können wir dann richtig zeigen, zu was wir in der Lage sind“, sagt Geschäftsführerin Claudia Lutzenberger.

Im Markt für Grobkeramik – also etwa Mauer- und Dachziegel – will Lingl weiter am Ball bleiben, mit energieeffizienteren Anlagen. In der Produktion von Mauerziegeln zum Beispiel macht die Energie rund die Hälfte der gesamten Kosten aus! Lingl hat bereits Lösungen entwickelt, um Energie zu sparen.

Lingl liefert Anlagen und Maschinen in über 60 Länder

Lutzenberger ist zuversichtlich, dass die Strategie gelingt. „Das Wissen in der Verfahrenstechnik ist das Herzstück unserer Firma.“ Sie ist stolz darauf, dass Lingl Maschinen und Anlagen schon in mehr als 60 Länder der Welt geliefert hat.

Die Ziegelproduktion ist komplex: Erst werden Ton, Wasser und andere Rohstoffe vermischt. Da müssen die Verhältnisse stimmen. Das Ganze wird dann zu einer kneteartigen Masse gepresst, aus der (in der Regel mit Drähten) Ziegel geschnitten werden. Danach wird getrocknet und gebrannt, das geschieht meist vollautomatisch in riesigen Anlagen.

Wie viel Wasser beigemischt wird und welche Beschaffenheit der Ton hat, spielt für die Qualität eine große Rolle. Auch wann und wie stark getrocknet und gebrannt wird, ist wichtig. Das alles zu optimieren, ist der Job von Lingl. Mit Johann Schnitzler und seinem Versuchsofen fängt die Arbeit also meistens so richtig an.

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