Teure Druckluft

Angehende Industriekauffrau sagt Luftverschwendung den Kampf an


Plettenberg. Es zischt aus dem Loch, leise, aber unaufhörlich. Doch wenn die Maschinen ringsum laufen, ist das Geräusch kaum wahrzunehmen. Die Mitarbeiter geben nichts drauf: Ist ja nur Luft!

Melanie Fritze sieht das anders: „Reine Verschwendung“, sagt die angehende Industriekauffrau bei Prinz in Plettenberg. Sie rechnet ihren Kollegen vor, was der luftige Spaß kostet. Auf rund 11.250 Euro jährlich beziffert die Auszubildende den Verlust, der dem Unternehmen durch Leckagen im Druckluftsystem entsteht.

Sie hat sich mit dem Thema vor ihrer Abschlussprüfung im Frühjahr intensiv beschäftigt. Überhaupt hat sie Spaß an Technik, am praktischen Arbeiten: „Ich hab auch schon mal Lampen gebastelt und Freunden beim Tapezieren geholfen.“ Aber warum diese Luftnummer? Fritze: „Weil ich nach einem Prüfungsthema gesucht habe und das hier spannend fand.“

Denn ohne Druckluft geht bei Prinz nichts. Das Unternehmen stellt Verbindungselemente für die Auto-, Hausgeräte- und Werkzeug-Industrie sowie den Fensterbau her. Mehr als 8.000 Tonnen Stahl werden jährlich gestaucht, gepresst und gestanzt.

Rund 5,5 Millionen Kubikmeter Luft, auf acht Bar komprimiert, sorgen dabei für Bewegung und Druck. Kosten: 111.000 Euro pro Jahr. Mit großem Einsatz trug die junge Frau Fakten zusammen und schaute sich in der Fertigung um. An einem Sonntag um sechs Uhr auf der Matte stehen, um an einer Luftnetzwartung teilzunehmen? Kein Problem für sie.

Melanie Fritze tüftelt gern – und war auf der Suche nach einem spannenden Prüfungsthema

Für die Aktion „Frischer Wind bei Prinz“ hat Fritze einiges ausgetüftelt. Unter anderem zwei Würfel, die vor einem Durchgang hängen. Der eine symbolisiert das Volumen von einem Kubikmeter Luft, der andere dieselbe Menge auf acht Bar komprimiert. Aus dem großen Würfel den kleinen zu machen, kostet 2 Cent – bei gut fünf Millionen Kubikmetern Luft läppert sich das.

Noch anschaulicher wird die Verschwendung am Leckagemodell, das Melanie Fritze gebaut hat. Drückt man auf den Knopf neben dem nur 0,1 Millimeter großen Loch, pustet einem schon ordentlich Luft um die Ohren. Bei einem Durchmesser von 4,2 Millimetern fliegen die Haare – so gehen pro Tag 28,80 Euro an Druckluft verloren, im Jahr 10.512 Euro.

Die nächsten Luftnetzwartungen werden zeigen, wie das Projekt der Auszubildenden gewirkt hat. Sie will dranbleiben. Nicht nur wegen der Prüfung.

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