Marktforschung

Andere Länder - andere Mopps


Vileda kennt sich aus mit den Putz-Marotten der Welt

Putzen ist gleich Putzen ist gleich Putzen? Von wegen. Die Reinigungs-Vorlieben sind so verschieden wie Sprache und Kultur: Amerikaner wischen am liebsten mit dem Baumwollfransen-Mopp, Belgier wollen einen Riesen-Aufnehmer, Skandinavier mögen es nur ein bisschen feucht, Südeuropäer bevorzugen es klatschnass, Deutsche putzen einmal die Woche und Chinesen mehrmals am Tag.

Einer, der dennoch den Überblick über die Wisch-Marotten der Welt behält, ist Jochen Wirsching. Er ist Chef der Anwendungstechnik beim Unternehmen Freudenberg in Weinheim (Marke „Vileda“). Er prüft und testet die Haushalts- und Reinigungsartikel, die das Unternehmen in 60 Ländern verkauft.

Der Experte weiß, was Putz-Frauen und Spül-Männer wünschen. „Wir liefern es“, sagt Wirsching.

Denn selbst mit noch so viel Werbeaufwand kann man nicht bestimmen, wie die Leute reinigen.“

Wie hat es Mama gemacht?

Die Gründe? Zum Beispiel das Klima: Trocknet der Boden rasch oder langsam? Oder der Belag. Ist es Stein oder Parkett, wasserempfindlich oder nicht? Und schließlich die Gewohnheiten von Mama.

„In aller Welt lernt man das Putzen von seiner Mutter“, sagt Wirsching. „Das darf man nicht  unterschätzen!“

Somit gilt für den wahren Putz-Experten: „Man muss der Hausfrau über die Schulter schauen, bevor man Produkte entwickelt“, berichtet Wirsching. „Das kann keine noch so gute Marktstudie ersetzen.“

Die Entwickler gucken daher gern zu, wenn andere wischen. Selbst der Chef der Hausartikel-Sparte wirft im Urlaubgern einen Blick in fremde Küchen und Korridore – zum Wohle der Firma.

60 Jahre tummelt sich Freudenberg nun schon im Geschäft mit der Sauberkeit. Am Anfang war das „Vileda“-Tuch. Das war 1948. Heute stellen die 2.300 Beschäftigten 300 Produkte her. Der Umsatz steigt und steigt. Zuletzt waren es 627 Millionen saubere Euro; 85 Prozent davon staubt Vileda im Auslandsgeschäft ab.

Aber nur mit wenigen Artikeln wie Fensterlappen oder Wischmopp wuselt der Putz-Riese weltweit über die Oberflächen.

Der klassische „Glitzi“-Topfschwamm zum Beispiel – oben gelb und weich, unten hart und blau – bekam in Italiens Nudeltöpfen keine Chance. Frau wienert die Pötte dort lieber mit flachen, weichen Schwämmchen. Flugs produzierte Vileda einen speziellen Schwamm fürs Azzurri-Land.

Spanierinnen dagegen beten „Glitzi“ fast an. Mit seiner rauen Scheuerfläche können sie festgebackene Reisreste gut aus der Paella-Pfanne kratzen.

Und dann gibt es da noch die Putz-Großmacht USA. „Da ist alles anders, größer, breiter. Auch Wischer und Besen.“ Die besondere Spezialität: Putzwasser mögen Amis nicht – Igittigitt! – und deshalb auch keine Eimer.

Amerikaner kommen ohne Eimer aus

Wirsching: „Die US-Amerikaner spülen den Mopp im Waschbecken aus. Der Wring-Mechanismus muss somit am oder im Stil stecken, das Wasser fast von selbst aus den Troddeln tropfen.“

Auch Briten bevorzugen das. Franzosen und Deutsche ziehen lieber mit dem Eimer durch die Wohnung. Es allen Putz-Sitten recht zu machen, ist eine Kunst. Wirsching und die Spezialisten von Vileda haben sie im Griff.

Hans Joachim Wolter

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang