Technik

„Altes Schätzchen“ ganz robust


Mitten in der Röhre: Solvay-Azubi Timo Over checkt den Brennkopf in einem der vier Drehrohr-Öfen. Fotos: Scheffler (2)

Der riesige Drehrohr-Ofen läuft bei Solvay seit fast 40 Jahren

Bad Hönningen. Ganz gemächlich und mit leichtem Brummen dreht sich der Rohr-Ofen beim Chemie-Unternehmen Solvay in Bad Hönningen. Ein Meisterwerk der Technik.

Er ist der größte Drehrohr-Ofen von insgesamt vier, die bei Solvay Sulfide herstellen (Barium- sowie Strontiumcarbonat). Wie ein riesiger rostiger Nagel liegt der Gigant über dem Werkgelände am Rhein – millimetergenau auf zehn Rollen ausgerichtet. 70 Meter lang ist der Koloss, hat einen Durchmesser von mehr als drei Metern und wiegt 890 Tonnen – das ist so viel wie 90Autos.

Die Luft flimmert vor Hitze. Uwe Lazer, Assistent im Barium- und Strontiumcarbonatbetrieb, öffnet vorsichtig die Luke: „Da drin ist es bis zu 1.200 Grad Celsius heiß.“ Wie Lava fällt das Produkt am Ende heraus.

„Ofen D“ wurde 1937 gebaut, seit 1973 steht die Röhre in Bad Hönningen und läuft und läuft. Nur alle zwei bis drei Jahre wird die feuerfeste Steinschicht im Inneren erneuert. Im Sommer 2010 überarbeiteten Fachkräfte erstmals die tonnenschweren Eisenzahnräder am Getriebe.

Neue Öfen sind nicht besser

Bei Solvay ist man stolz auf die Öfen. Andreas Poppe, technischer Leiter, nennt sie zärtlich „alte Schätzchen“. „Das ist eine solide und robuste Technik, auf die wir uns einfach verlassen können“, sagt er. Neue Anlagen würden nach demselben Prinzip funktionieren und somit keine Verbesserung bedeuten.

„Ofen D“ soll noch weitere 40 Jahre laufen. Mindestens! Dabei ist er nicht einmal die älteste Maschine auf dem Gelände: Der mit 30 Metern Länge kleinste „Ofen C“ wurde 1908 gebaut und ist ebenfalls einsatzbereit ­– nach 93 Jahren.

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