Nachwuchs-Sicherung

Alte Hasen und junge Hüpfer


Wie ein Dortmunder Metallunternehmen den Generationswechsel einleitet

Dortmund. Matthias Wachtel (17) zeigt Einsatz. Auf dem Fußballplatz, bei der Jagd nach dem runden Leder. Und im Betrieb, bei der Ausbildung  zum Zerspanungsmechaniker. Wachtel hat sie letztes Jahr gestartet: „Eine gute Basis“, meint der BVB-Fan.

Der junge Mann lernt bei Flowserve in Dortmund, einem Hersteller von Gleitring-Dichtungen. Die finden Verwendung bei der Ölförderung. Und in der Chemie- und Pharmabranche: Hier kommen sie etwa in Rührwerken zum Einsatz, die zum Beispiel Pulver für Tabletten mischen.

Wenn Wachtel mit der Lehre fertig ist, wird Klaus Nettlenbusch unmittelbar vor der Rente stehen. Der 61-Jährige ist hier der Dienstälteste, schon seit 44 Jahren dabei. Der Zerspaner Nettlenbusch lacht: „Früher hieß das Spitzendreher.“

Bei Flowserve gibt es viele alte Hasen: Jeder vierte der rund 200 Mitarbeiter hat mehr als 50 Jahre auf dem Buckel. 25 Männer und Frauen sind gar 55 und älter – gehen also, wie Nettlenbusch, in den nächsten zehn Jahren in Rente.

„Der Generationswechsel ist eine große Herausforderung“, sagt Werkleiter Michael Schauerte. Nachwuchs zu finden, sei schwierig geworden, ein junger Mann wie Wachtel ein Glücksfall. Derzeit machen in dem Betrieb elf Jugendliche eine Lehre. „Früher haben wir die Ausbildung etwas vernachlässigt“, räumt Schauerte ein. „Das holen wir jetzt nach.“

Hier geht es um 0,0005 Millimeter

Dies ist auch dringend nötig. Denn der Arbeitsmarkt gibt nicht mehr genug Fachkräfte her. Die aber braucht Schauerte für seine anspruchsvolle Fertigung.

Die Gleitring-Dichtungen haben es nämlich in sich. Sie halten einen Druck bis zu 500 Bar aus. Zum Vergleich: Im Autoreifen sind es nur rund zwei Bar. Deshalb müssen die Flowserve-Erzeugnisse mit höchster Präzision gefertigt werden. Dabei geht es um Toleranzen um die 0,0005 Millimeter! Ein menschliches Haar ist 80 Mal dicker!

Das Unternehmen ist weltweiter Marktführer. Und deshalb so interessant für die amerikanischen Eigner, die den einstigen Familienbetrieb vor mehr als zehn Jahren gekauft haben. Schauerte: „Sie schätzen die deutsche Effizienz, aber auch die Qualifikation der Mitarbeiter – ein klarer Standortvorteil.“

Und der gerät jetzt in Gefahr. Mit den geburtenschwachen Jahrgängen rücken immer weniger Berufseinsteiger nach. Gleichzeitig schaffen Firmen, da die Konjunktur weiterhin brummt, tausende neuer Jobs. Was den Fachkräftemangel noch verschärft.

Trainee-Programm für Ingenieure

Der Aufwand für die Entwicklung und Konstruktion einer neuen Dichtung  ist enorm. Flowserve beschäftigt daher 13 Ingenieure. Aber solche Experten sind noch schwerer zu bekommen als Facharbeiter.

Deshalb bietet die Firma Ingenieuren frisch von der Uni zweijährige Trainee-Programme an – mit dem Ziel einer Führungsposition. „Und das bei vollem Ingenieurgehalt“, betont Schauerte. Selbst im Einkauf brauchen die Mitarbeiter einen großen technischen Sachverstand, deshalb kommen hier ebenfalls Ingenieure zum Zuge.

Auch Kaja Pfeifer (28)  begann ein solches Trainee-Programm. Doch nach einem Jahr stieg sie aus. In Kürze geht  der Einkaufsleiter in Rente, Flowserve brauchte dringend einen Nachfolger. Kaja Pfeifer: „Da habe ich zugegriffen.“

Info: Flowserve

Das Unternehmen ist in seiner Branche einer der Großen: Der US-Konzern mit Hauptsitz in Dallas produziert Pumpen, Präzisionsdichtungen, Ventile und Stellantriebe.

Bei einem Umsatz von gut 3 Milliarden US-Dollar beschäftigt Flowserve mehr als 14.000 Mitarbeiter in 56 Ländern. Der Standort Dortmund hat 200 Beschäftigte.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang