Metall und Elektro

Alles im Fluss


Vor sechs Jahren kauften Finanzinvestoren die Firma Grohe. Sie steht heute glänzend da

Hemer. Iris Sander herrscht über Roboter: Unter ihrem Kommando heben und senken sich deren Arme, legen Metallstücke in eine Zerspanungsmaschine, reichen sie weiter zum Schleifen und Polieren. Aus Guss-Rohlingen werden glänzende Messingteile für Einhebelmischer. Sander ist Anlagenführerin bei Grohe in Hemer, einem der größten Hersteller von Bad- und Küchenarmaturen weltweit.

Das Werk wurde 2009 zu einer der besten Fabriken Europas gekürt. Diese Auszeichnung ist das Ergebnis von vier Jahren harter Arbeit: Bei laufender Produktion rissen die Sauerländer Wände in den Hallen ab, schafften Maschinen an, stellten Produktlinien zusammen. „Wir haben das ganze Werk ausgekippt und neu eingerichtet“, sagt Werkleiter Joachim Meyer. Dauerte es früher 16 Tage, bis ein fertiges Stück im Lager lag, sind es heute 4.

Zunächst gab es Heuschrecken-Alarm

Um diesen Kraftakt zu meistern, lernten die Mitarbeiter dazu. Wie Iris Sander.

20 Jahre lang machte sie bei Grohe Sichtkontrolle: Sie prüfte die geschliffenen Teile, suchte nach Unebenheiten. Dann lernte sie, die Maschinen zu bedienen und Störungen zu beheben. „Ich habe den Kollegen zugeschaut und mir viel erklären lassen. Und ich war die einzige Frau beim Programmierlehrgang des Roboter-Herstellers“, lächelt sie. Die Lernbereitschaft zahlt sich aus. „Jetzt bin ich in einer anderen Lohngruppe.“

Rückblick: 2004 wird Grohe von den Finanzinvestoren TPG und Credit Suisse übernommen. Zunächst sieht es für manche nach einem Heuschrecken-Überfall aus: An den deutschen Standorten machen sich Existenzsorgen breit. Doch es kommt anders. Das neue Management bringt die Werke mit einem ehrgeizigen Modernisierungsprogramm auf Vordermann.

Bisher wurden 25 Millionen Euro aufgewendet, am Standort Hemer wird die Forschung und Entwicklung für weitere 1,3 Millionen Euro ausgebaut. Derzeit investiert Grohe ebenso in sein thailändisches Werk, das vor allem für den asiatischen Markt fertigt.

Die Duschbrausen und Thermostate aus dem Sauerland bedienen vor allem den gehobenen Geschmack. Sie räumen regelmäßig Design-Preise ab, helfen Wasser zu sparen.

Normalerweise verbrauchen Automatik-Armaturen, bei denen eine Fotozelle den Wasserfluss auslöst, Strom. Nicht aber die Grohe-Neuheit: Hier treibt das abfließende Wasser eine Mini-Turbine an, die so erzeugte Elektrizität wird in einem Akku gespeichert. Bis der Nächste die Hände unter den Hahn hält.

Drei Viertel des Umsatzes macht das Unternehmen mit Produkten, die jünger sind als fünf Jahre. Deshalb sind Aus- und Weiterbildung ein Muss.

Früher stand die Montage-Mitarbeiterin Petra Wilmes am Fließband, drehte Schrauben oder setzte Ringe ein. Heute setzt die junge Frau alleine oder mit einer Kollegin eine komplette Automatik-Armatur zusammen – die besteht aus über 100 Einzelteilen und steckt voller Elektronik.

Mitarbeiter kommen zurück

Zwar wurde Grohe von der Krise getroffen – wie die anderen Gebäudearmaturen-Hersteller auch. Doch die Firma meisterte sie ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Jetzt geht es wieder bergauf. Vor allem aus dem Ausland kommen viele Aufträge rein. Werkleiter Meyer: „Deshalb holen wir die Mitarbeiter, deren befristete Verträge ausgelaufen waren, zurück.“

Info: Grohe AG

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Hemer (Sauerland) ist Europas größter Hersteller von Armaturen für Bad und Küche. Es hat 5.000 Mitarbeiter an sechs Produktionsstandorten, drei davon in Portugal, Thailand und Kanada. In Hemer beschäftigt Grohe 1.300 Menschen. Der Gesamtumsatz lag 2009 bei 826 Millionen Euro (Exportanteil: 80 Prozent).

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