Arbeitsschutz

Alles im Auge


In diesem Zementwerk schaut man genau hin. Mit Erfolg: Seit Jahren gab es keinen einzigen Unfall

Die Schutzbrille gehört vor die Augen, nicht auf dem Kopf“, schimpft Schichtmeister Thomas Reichling mit einem seiner Fahrer. Und mit Sandalen auf  dem  Werkgelände  –  das  geht schon gar nicht. Das muss auch der fremde Brummi-Kapitän lernen, der gerade hier herumkurvt: Mag es noch so heiß sein, die trittsicheren Arbeitsschuhe sind bei der Cemex HüttenZement GmbH in Dortmund Pflicht.

Das Unternehmen gehört zum mexikanischen Baustoff-Konzern Cemex – und der hat sich den Arbeits- und Gesundheitsschutz auf die Fahnen geschrieben. Vom Vorstand bis zum Vorarbeiter – jeder  schaut genau hin. Mit Erfolg: In den sechs deutschen Zementwerken von Cemex passieren weniger Unfälle als im Branchendurchschnitt.

In Dortmund hat sich seit Jahren sogar kein einziger Unfall ereignet. Deshalb hat dieses Werk gleich mehrmals den Sicherheits-Wettbewerb der deutschen Zement-Industrie gewonnen.

Dabei steht auch die gesamte Branche schon recht gut da. Während sich 2008 im gesamten verarbeitenden Gewerbe je 1.000 Mitarbeiter 28 anzeigepflichtige Unfälle ereigneten, waren es in der Zement-Industrie nur 18.

Ausfalltag kostet bis zu 1.500 Euro

Helmut Ehnes, Präventionsleiter der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft (StBG), in der die Mitarbeiter der Zementhersteller versichert sind:  „Die Chefs sind sich bewusst, dass Sicherheit und Gesundheit nicht nur Geld kostet, sondern auch Geld spart.“ Und zwar viel: Der Ausfalltag eines Mitarbeiters schlage mit 500 bis 1500 Euro zu Buche. Zudem bringen Unfälle die  Produktion durcheinander. Schlecht fürs Image sind sie auch noch.

„Man sieht gleich, ob es sich um eine Drecksbude oder um einen properen Arbeitsplatz handelt“, setzt Dr. Hans Andreas Brodersen, Senior Director Zement der Cemex Deutschland, eins drauf. „Wir legen Wert auf saubere und angenehme Arbeitsbedingungen.“ Die Firma lässt sich deshalb den Arbeitsschutz einiges kosten.

Ein Beispiel: Knapp 100 Euro pro Person für individuell angepasste Ohrstöpsel. Zementherstellung ist laut. In der Kugelmühle zermalmen Tausende Mahlkugeln die Vorprodukte zu Zement – und das  mit einem Höllenlärm. Mit den speziellen Ohrstöpseln kann man sich neben der riesigen Trommel sogar unterhalten: Der Gehörschutz filtert nur die gefährlichen Frequenzen heraus.

Oder die Luftduschkabine. Sie saugt die feinen Zementpartikel aus Kleidung und Haaren ab – besser als jeder Staubsauger. Wartung und Reparatur der Zement-Anlagen wirbeln viel  Staub auf. Der klebt anKleidung und Körper – unangenehm. Deshalb hatte ein Schlosser die Idee mit der Luftduschkabine. „Haben wir lange diskutiert in der Firma, ob wir uns die Investition von 12.000 Euro leisten wollen“, sagt Be-triebsratsmitglied Birgit Masurat. „Wir haben es getan, und der Kollege bekam für seinen Vorschlag eine Prämie.“

Förderband jetzt gut im Blick

Meister Reichling hat für seine Anregungen schon mehrere Hundert Euro nach Hause getragen. Er sieht ständig etwas, was noch zu verbessern ist.

„Dieses Förderband hier“, erzählt er, „lag früher im toten Winkel der Videokamera“. Das Band fördert  den Hüttensand zur Rollenpresse, wo er zwischen zwei Walzen gemahlen wird. „Die Kollegen im Leitstand konnten nicht sehen, ob sich jemand beim Kontrollgang verletzt.“ Ist zwar nie passiert – aber wenn? Jetzt gibt es hier eine zweite Kamera.

Matilda Jordanova-Duda

Info: CEMEX HüttenZement GmbH

Das Zementwerk gehört seit 2005 zum mexikanischen Konzern Cemex, einem der größten Hersteller von Zement, Transportbeton, Betonbauteilen sowie Kies und Splitt weltweit. Cemex hat insgesamt 60.000 Mitarbeiter und setzte 2008 rund 21,7 Milliarden US-Dollar um (das sind umgerechnet rund 15 Milliarden Euro). Der Standort Dortmund beschäftigt 80 Mitarbeiter.

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