Familienunternehmen

Alles frisch?


Das Familienunternehmen Bareiss fertigt Härte-Prüfgeräte für jeden Zweck

Oberdischingen. Da staunte der Firmen-Inhaber Peter Strobel nicht schlecht, als vor Jahren ein Herr aus Südafrika mit einer Tüte Avocados im schwäbischen Oberdischingen seine Aufwartung machte.

„Er wollte ein Gerät, mit dem er den Reifegrad der Früchte messen kann“, erinnert sich Strobel an den Besuch. Die bis dahin übliche „Daumen-Prüfung“ hatte öfters zu Meinungsverschiedenheiten mit der Kundschaft geführt.

Dem Avocado-Produzenten konnte geholfen werden. Schließlich ist das Familienunternehmen Heinrich Bareiss Prüfgerätebau seit jeher spezialisiert auf Härte-Prüfgeräte für Kunststoffe und andere weichelastische Stoffe.

Reifen, Lippenstifte, Kontaktlinsen

Das Gerät, das die Firma in Oberdischingen seinerzeit für den Südafrikaner entwickelte, ist heute weltweit auf Plantagen und in Großmärkten im Einsatz. „Das ist kein Einzelfall“, erzählt Firmenchef ­Strobel.

Zum Beispiel sei da auch der Medizin-Professor gewesen, der für seine Forschung ein Gerät zur Druck-Bestimmung der Gehirnflüssigkeit an der Schädel-Lücke von Neugeborenen bestellte. Oder die Olympia-Rodelbahn im österreichischen Innsbruck, deren Betreiber die Konsistenz und Härte des Eises kontrollieren wollten.

Das Anwendungsspektrum der Geräte ist riesig. Die Pharma-Industrie misst damit   Gelatinekapseln, die Kosmetik-Branche Lippenstifte, die  Süßwaren-Produzenten Gummibärchen. Medizintechnik-Unternehmen prüfen mit Technik aus Oberdischingen Katheter und Kontaktlinsen. Automobil-Zulieferer prüfen Lenkräder und Reifen. Und Mediziner messen damit zum Beispiel Muskeln oder auch stoffwechselbedingt erkrankte „Diabetikerfüße“.

In die Apparate, die ursprünglich mechanisch funktionierten, hat längst die Elektronik Einzug gehalten. Das bringt viele Vorteile – etwa dass die Messwerte gespeichert werden können.

Bareiss baut die Geräte mit seinen 46 Mitarbeitern fast vollständig selbst. Der Anteil der Eigenfertigung: 95 Prozent. Im Jahr 2008 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 3,5 Millionen Euro erzielt, davon knapp die Hälfte im Ausland. Brigitte Wirth, Strobels Mitgesellschafterin, erklärt: „Wir haben Handelspartner in 60 Ländern und sind in vielen Marktführer.“

Kurzarbeit seit März

Im Jahr 2009 brach der Umsatz vor allem wegen der schwachen Nachfrage der Automobil-Branche aber um 30 Prozent ein. Seit März arbeiten die Mitarbeiter deshalb kurz. November und Dezember haben zwar wieder mehr Aufträge gebracht, langfristige Planungen seien derzeit aber nicht möglich, sagt Wirth.

Strobel ist zuversichtlich: „Kundenwünsche zu erfüllen, ist für uns eine Herausforderung. Die Weiterentwicklung der Produkte und neue Anwendungsfelder bringen auch das notwendige Wachstum.“

So manche Idee habe noch immer der 84-jährige Firmengründer Heinrich Bareiss, der regelmäßig in den Betrieb kommt. Und manchmal läuft es so, wie damals mit den Avocados.

 

Info: Familienunternehmen

Die anonyme Form der Kapitalgesellschaft ist in Deutschland die Ausnahme: 93 Prozent aller Firmen (mit 54 Prozent aller Beschäftigten) sind familienkontrollierte Unternehmen. Das heißt: Mindestens die Hälfte der Firma gehört maximal drei Personen. Quelle: Stiftung Familienunternehmen

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