Mitarbeiterin

Allein unter Männern


Marina Meinhard: Seit 30 Jahren bei GEA Tuchenhagen in Büchen

Als Marina Meinhard bei ihrem heutigen Arbeitgeber anfing, hatte sie von Technik keine Ahnung. „Ich habe mir nichts anmerken lassen“, erzählt sie. „Als mich der Werkleiter fragte, ob ich mir die Arbeit zutraue, da habe ich einfach genickt.“ Mit weichen Knien. „Ich dachte, das schaffst du nie, irgendwann fliegt die Sache auf.“

Die Anekdote sorgt noch immer für Heiterkeit, wenn die Mitarbeiterin von GEA Tuchenhagen sie heute, nach gut 30 Jahren im Betrieb, vor Kollegen zum Besten gibt. Aber damals war ihr nicht zum Lachen zumute.

Sie war gerade 21 Jahre, hatte eine Ausbildung als Friseurin hinter sich gebracht – und in diesem Beruf keine

Perspektive. Denn gut bezahlte Stellen im Friseurgewerbe waren kaum zu finden. Schon gar nicht an ihrem Wohnort Büchen, einer Kleinstadt im damaligen Zonenrandgebiet, zwischen Zweedorf und Klein Pampau.

Frauen an Maschinen waren eine Rarität

So wagte die junge Frau den Sprung ins kalte Wasser: Als sie hörte, dass das Büchener Traditionsunternehmen Tuchenhagen Mitarbeiter suchte, heuerte sie dort an.

Die 1931 gegründete Firma, die heute zur GEA Group gehört, war damals noch in Familienbesitz. Sie hatte sich einen Namen als Hersteller von Spezialventilen und anderen Prozesskomponenten gemacht und war weiter auf Expansionskurs.

Meinhard startete als Bedienerin einer Bohrmaschine in der manuellen Dreherei. „In der gesamten Produktion gab es da­mals vier oder fünf Frauen. Wir waren tatsächlich echte Raritäten.“ Weibliche Mitarbeiter kannte man nur aus der Buchhaltung, aus der Kantine und aus den Vorzimmern der Geschäftsführer. „Das kann man sich gar nicht mehr vorstellen, aber damals war es so, nicht nur in Büchen.“

„Wie in einer großen Familie“

Inzwischen hat sie „ihre Bestimmung gefunden“. Sie arbeitet seit 1996 in der Abteilung für Werkzeug-Voreinstellung: Mit zwei Kollegen ist sie dafür verantwortlich, dass die Mitarbeiter an den modernen Bearbeitungsmaschinen für jeden Auftrag rechtzeitig mit den passenden Werkzeugen versorgt werden. Das ist eine zentrale Funktion, ohne die ein effizienter Produktionsablauf nicht möglich wäre.

GEA Tuchenhagen gilt heute als ein weltweit führender Hersteller von Prozesskomponenten, die vor allem in der Flüssigkeit verarbeitenden Nahrungsmittel-Industrie zum Einsatz kommen. In Büchen arbeiten rund 320 Beschäftigte in Produktion, Forschung und Entwicklung, Vertrieb und anderen Abteilungen. In Koszalin (Polen), Schanghai (China) und Portland (USA) gibt es weitere Produktions- und Vertriebsstandorte mit insgesamt 130 weiteren Mitarbeitern.

Trotz Termindruck und Schichtdienst herrscht in Meinhards Abteilung eine entspannte Atmosphäre. Man kennt sich, man schätzt sich, und fühlt sich, wie sie sagt, „ein bisschen wie in einer großen Familie“.

Entsprechend fällt ihre Antwort auf die Frage aus, ob sie gern noch einmal den Beruf wechseln würde. „Nein, kein Interesse. Ich bin hier vollauf zufrieden.“

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