Energiesparen

Akzo Nobel steckt jährlich Millionen in bessere Chemie-Anlagen


Bitterfeld. Für einen kurzen Moment ist da ein rotes Blinken auf dem Bildschirm. Sofort schaut Anlagenfahrer Klaus-Dieter Gutzeit auf das Prozess-Schema, studiert die Messwerte von Eindampfbehälter 3. Dann lehnt er sich zurück: „Alles okay. Das wäre ja noch schöner, wenn der kurz vorm Ruhestand zickig würde.“

13 Jahre lang hat der Riesenkessel brav seinen Dienst in der Chloranlage von Akzo Nobel getan. Nun wird er bald ausgetauscht: ein Meilenstein für das Werk.

Ehrgeizige Einsparziele

„Mit dem Nachfolger sparen wir eine Menge Dampf – und sichern unsere Wettbewerbsfähigkeit“, erklärt Werkleiter Stefan Kauerauf. Denn Chlor herstellen ist ein extrem energieintensiver Prozess:
„95 Prozent unserer variablen Kosten sind Energiekosten.“

Drei Viertel davon fallen für die Elektrolyse an, also die eigentliche Chlor-Herstellung mithilfe von Strom. „Dort sind Einsparungen wirtschaftlich kaum noch machbar“, sagt Kauerauf. Umso genauer schauen sich die Bitterfelder deshalb die Nebenprozesse an. Weil Energie heute so teuer ist, lohnt auch dort das Sparen.

Zum Beispiel beim Eindampfbehälter 3: In ihm wird die für die Elektrolyse benötigte Salzlösung aufkonzentriert. Dazu wird ein Teil ihres Wassers verdampft – durch Erhitzen mit Brüdendampf aus der vorgelagerten Verdampferstufe. Beim Wartungsstillstand im Frühjahr soll der Kessel durch einen neuen ersetzt werden. Der benötigt dank der Kunst der Ingenieure deutlich weniger Dampf.

Etwa 2,5 Millionen Euro steckt Akzo Nobel jährlich in die Modernisierung der Anlagen. Ein Großteil davon dient der energetischen Optimierung, auch, um nachhaltig zu wirtschaften – ein Kernanliegen von Akzo Nobel. So wurden im letzten Jahr 10 Prozent Dampf eingespart, bis 2014 sollen noch mal 15 Prozent weniger nötig sein, zum Beispiel durch geschickteres Ausnutzen von Abwärme.

Topmoderne Messwarte

„Die Einsparungen sind notwendig, um die steigenden Energiekos­ten etwas kompensieren zu können“, hebt Werkleiter Kauerauf hervor. „Damit wir als Großverbraucher im weltweiten Wettbewerb mithalten können, erhalten wir Erleichterungen bei der Ökostrom-Umlage.“

Bei allem Energiesparen geraten in Bitterfeld Sicherheit und Arbeitsbedingungen der 75 Chlor-Werker nicht aus dem Blick. Erst vor wenigen Wochen ging deshalb für eine halbe Million Euro eine neue Messwarte mit modernster Technik in Betrieb.

Artikelfunktionen


Diese Beiträge könnten Sie auch interessieren:

'' Zum Anfang