Industriegase

Air Liquide produziert Acetylen & Co. für Ostdeutschland


Böhlen. Mittags wird es für Jan Marklofsky und seine Kollegen richtig schweißtreibend: Wenn andere Pause machen, beginnt für sie ein Einsatz mit Muskelkraft und Gabelstapler. Auf dem Gelände der Firma Air Liquide treffen dann die ersten Laster ein, die Leergut bringen und Nachschub an Industriegasen abholen.

Das sind zum Beispiel Acetylen zum Schweißen für Werften, Stickstoff zum Schockfrieren für Lebensmittelhersteller, Sauerstoff für Glasbläsereien oder Spezialgase für die Chiphersteller in und um Dresden.

„Unsere Gase sind für viele Betriebe wichtig“, sagt Marklofsky. Dann lädt er mit dem Stapler leere Gasflaschen ab und fährt sie zur Eingangsprüfung. Gut 20 Lastwagen beladen er und Kollegen im Durchschnitt an jedem Werktag, bis in die Nacht hinein.

1 Million Flaschen pro Jahr

Alltag im sächsischen Air-Liquide-Werk, dem größten von sieben Standorten des französischen Konzerns in Deutschland. „Wir beliefern von hier aus ganz Ostdeutschland mit Acetylen und Luftgasen und haben sogar in Tschechien Kunden“, berichtet Werkleiter Thomas Horn. Rund eine Million der zentnerschweren Flaschen verlassen jedes Jahr den Standort Böhlen.

Neben Acetylen, Stickstoff und Sauerstoff gehören auch Argon für Metallbetriebe oder Kohlendioxid als Treibgas für Zapfanlagen in Gaststätten zu den Produkten der Böhlener.

Warum erst ab mittags ausgeliefert wird? „Das Befüllen der Flaschen braucht seine Zeit“, erklärt Horn. „Und am Vormittag bestücken wir erst einmal das Lager mit frisch gefüllten Flaschen.“ Zudem gehe es um die Sicherheit: „Weil wir hier nicht so viel Platz haben, birgt es weniger Risiken, wenn wir die Flaschen aus dem Lager direkt auf die Lastwagen laden und nicht vorher zusammenstellen.“ Unübersichtlichkeit, Stress und Hektik seien keine guten Umstände für den Umgang mit leicht entzündlichen Gasen.

Welche die Böhlener zum großen Teil auch selbst produzieren. Die Luftgase Sauerstoff und Stickstoff zum Beispiel gewinnen sie rund um die Uhr in einem knapp 300 Meter vom Lagerplatz entfernten Luftzerleger. „Dazu verflüssigen wir die angesaugte und verdichtete Luft bei minus 190 Grad Celsius“, erklärt Horn. Dann nutzt man die unterschiedlichen Siedepunkte der zwei Gase aus, um sie per Destillation zu trennen. Auch das Acetylen wird von Air Liquide selbst hergestellt.

Die Sicherheit stehe bei Herstellung und Abfüllung an erster Stelle, betont Horn. So werden die 75 Mitarbeiter in Böhlen mindestens einmal jährlich für ihre besondere Tätigkeit geschult, alle Arbeitsschritte und -abläufe sind streng geregelt. „Zudem ist jede Flasche im Computersystem registriert und bekommt nach der Abfüllung einen Barcode-Aufkleber mit allen Daten“, sagt Horn. „Wir können uns keinen Fehler leisten.“ Denn das könnte teuer werden.

Schweißer in Aktion: Ohne Chemie gelingt ihm nichts. Foto: fotolia

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Das Schweißer-Gas

Acetylen ist ein Hochleistungs-Brenngas – und wird eingesetzt zum Schweißen, Brennschneiden oder Flammstrahlen. Hergestellt wird es aus Kalziumkarbid und Wasser: Bringt man beide zusammen, reagieren sie sofort.
Das bei der Reaktion entstehende Gas wird abgesaugt, dabei mehrfach verdichtet und dann in besondere Gasflaschen abgefüllt.

Die sind randlos gefüllt mit einer porösen Masse sowie flüssigem Aceton. Wegen der leichten Entzündlichkeit kann man Acetylen unter Druck (19 Bar) nur sicher aufbewahren, wenn es in einer Flüssigkeit wie Aceton gelöst ist.
Als Nebenprodukt bei der Acetylen-Herstellung entsteht Kalkmilch. Die nutzt man zum Entschwefeln von Rauchgas im benachbarten Kraftwerk.

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