Gesundheit

Älter heißt erfahrener


Unter Profi-Anleitung: Josef Miethaner übt mit Hilfe von Physiotherapeutin Daniela Arnd. Foto: Weigel

Leistungsfähig arbeiten, auch im Jahr 2017: BMW zeigt, wie’s geht

Dingolfing. „Mir geht die Arbeit nicht mehr so auf die Knie – weil das Parkett besser federt als der reine Betonboden“, berichtet Erich Bolz, Montage-Mitarbeiter beim Autohersteller BMW. „Das hätte ich nicht gedacht.“ Mit seinen 47 Jahren entspricht Bolz dem Durchschnittsalter der niederbayerischen BMW-Belegschaft im Jahr 2017. Der Schnitt heute: 39 Jahre.

Wie sich ein Betrieb auf alternde Belegschaften einstellen kann, testet das Unternehmen seit Oktober mit 38 Mitarbeitern in der Hinterachsgetriebe-Fertigung in Dingolfing. Das Projekt „Heute für morgen“ erprobt Maßnahmen, die allen BMW-Fertigungsmitarbeitern zugutekommen sollen.

Testlauf im größten Werk

„Ein Drittel unserer Mitarbeiter in Deutschland wird 2017 über 50 Jahre alt sein“, weiß Projektleiter Michael Pieper. Und Personalvorstand Ernst Baumann betont: „Daraus darf uns kein Wettbewerbsnachteil entstehen.“ Bewusst sei daher eine Einheit im mit 21000 Mitarbeitern weltweit größten BMW-Werk gewählt worden. „Hier gelten die üblichen Taktzeiten – das sind keine Laborbedingungen.“

Ergänzend zu den knieschonenden Böden an den Montagebändern gab es eigens angepasste orthopädische Schuhe. Die Bildschirme sind schräg gestellt, was die Lesbarkeit erleichtert, und haben größere Schriften. Und einmal im Monat zeigt Physiotherapeutin Daniela Arnd Dehnübungen gegen Verspannungen: „Anfangs wollte sich natürlich keiner hinstellen und die Übungen vor allen anderen machen. Aber inzwischen ist das normal.“

Sehr wirksame „Kleinigkeiten“

Und es bringt Entlastung, hört Arnd immer wieder. „Ich bin nach der Arbeit nicht mehr so kaputt“, erzählt etwa Josef Miethaner, der hier seit 30 Jahren arbeitet. Das liege auch an der neuen Pausenverteilung, die zu lange Arbeitsphasen verhindert. Und daran, dass der anstrengende Wechsel von Spät- auf Frühschicht abgemildert wurde: Montags geht es nun um 7 Uhr los, statt um 5 Uhr.

„Das sind eigentlich Kleinigkeiten“, meint Helmut Mauermann, Leiter Achsgetriebefertigung, „aber sehr wirksame.“ Und der Betriebsratsvorsitzende Stefan Schmid ergänzt: „Nach anfänglicher Skepsis, was das bringen soll, sind die Mitarbeiter heute voll dabei.“

Die Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat bewährt sich auch bei neuen Arbeitszeitmodellen. Bei der Initiative „Vollzeit Select“ kann jeder Mitarbeiter bis zu 20 zusätzliche, unbezahlte Urlaubstage nehmen, sofern der Vorgesetzte zustimmt. Flexibilität, die etwa zur Akut-Pflege von Angehörigen genutzt werden kann.

Eva Schröder

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