Damit der Flieger nicht ausrutscht

Addcon macht mit einem weltweit einzigartigen Verfahren Flughäfen startklar


Bitterfeld. Es ist bitterkalt, der raue Wind verwirbelt die Schneeflocken. In dicken Jacken trotzen Ralf Ludwer und Steffen Höhne dem Frost im Chemiepark. Sie arbeiten, damit Flugzeuge im Winter starten können. Denn auch an Tagen wie diesen warten in warmen Terminals Tausende auf den Start zur Geschäftsreise oder in sonnige Gefilde.

Energiesparendes Verfahren

Damit das klappt, produzieren die beiden Anlagenfahrer von Addcon Europe in Sachsen-Anhalt eine Flüssigkeit namens Aviform L50. „Damit werden Start- und Landebahnen eisfrei gemacht und eisfrei gehalten“, erklärt Ludwar. Dann krächzt sein Sprechfunkgerät: Der Wiegemeister ruft ihn zur Abfüllanlage, ein Truck holt Auftaumittel für den Airport Zürich.

Seit anderthalb Jahren wird in Bitterfeld das umweltschonende Enteisungsmittel nun bereits hergestellt. Jetzt, im Winter, ist Hochsaison. Flughäfen in Deutschland, der Schweiz und auf dem Balkan brauchen es. „Die Zahl der Kunden wächst“, sagt Betriebsleiter Hans-Jürgen Stüwe.

„Grundlage des Mittels ist eine niedrig konzentrierte Ameisensäure aus der Industrie“, berichtet er. In einem komplizierten Prozess wird neutralisiert und destilliert, hier gerührt, dort etwas zugesetzt. Wie das genau vor sich geht, verrät der Betriebsleiter nicht. Denn das Verfahren ist weltweit einzigartig und eine Eigenentwicklung von Addcon.

Einer der Vorzüge der Technologie: Der Prozess benötigt kaum Strom und Dampf von außen – er funktioniert nahezu von allein mit der Energie, die den Rohstoffen innewohnt und bei dem Verfahren frei wird.

Rund 10.000 Tonnen des Enteisungsmittels kann die Anlage jährlich herstellen, die pro Schicht von gerade mal zwei Mitarbeitern gefahren wird. Möglich macht das der hohe Automatisierungsgrad, den die Bitterfelder Ingenieure ausgetüftelt haben. 1,5 Millionen Euro kostete der Umbau der Anlage für diesen Zweck.

Im Sommer wechselt der Arbeitsplatz

Zehn neue Arbeitsplätze hat Addcon so geschaffen. Das Team produziert neun Monate im Jahr rund um die Uhr Enteiser. Drei Monate Sommer-Urlaub bekommen die Mitarbeiter dennoch nicht. Sie wechseln dann ins nahe Addcon-Hauptwerk und unterstützen die 40 Beschäftigten dort. Die stellen zum Beispiel Siliermittel für die Landwirtschaft her – und dafür ist passenderweise im Sommer Saison.

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