Elektrotechnik

Achthundert Varianten!


BSH lässt sich für Kochherde einiges einfallen

Traunreut. Die Vielfalt ist riesig, und sie beginnt bei den Backrohren. Auf den ersten Blick sehen die grauen, emaillierten Stahlblechkästen zwar alle gleich aus – doch sie unterscheiden sich, je nachdem, wie das Herzstück des Herds beleuchtet werden soll, welche Tür montiert wird oder welche Form die Gestelle für die Backbleche haben. Mal gibt es mehr, mal weniger Löcher im Blechmantel, mal größere, mal kleinere.

„Wir haben 100 verschiedene Backrohre“, sagt Stefan Lauwitz, der Leiter des BSH-Werks in Traunreut am Chiemsee. „Und damit stellen wir 800 Varianten von Herden, Backöfen und Mikrowellen-Geräten her.“

Zwei Marken unter einem Dach

Unterschiede gibt es allein schon deshalb, weil die Geräte von zwei großen Marken hergestellt werden: Bosch und Siemens. 1967 haben die beiden Konzerne ihr Geschäft mit Kühlschränken, Waschmaschinen und anderen Hausgeräten zusammengelegt. Seitdem heißt das Unternehmen BSH Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH. Die Marken sind aber bis heute getrennt. Das zeigt sich etwa im Design, in den Bedienknöpfen oder in dem Mini-Bildschirm, der mit leuchtenden Ziffern die Backtemperatur zeigt.

 

Mit rund 2.400 Mitarbeitern ist Traunreut der größte BSH-Standort für die Entwicklung und Produktion von Kochmulden, Herden und Backöfen. 2008 wurden unter anderem mehr als 1,1 Mil­lionen Herde und 850.000 Kochfelder gebaut.

1952 hatte Siemens dort auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfab­rik mit der Herstellung kleiner Herde begonnen. Zehn Jahre später wurde das erste Einbaugerät entwickelt und produziert.

er ers­te Herd mit Backwagen stammt ebenfalls aus Traunreut. Und ebenso die ersten Kochfelder mit Sensorik: Auf ihnen brennt nichts mehr an; zudem gart ein derart ausgestattetes Gerät zum Beispiel Kartoffeln immer bei automatisch richtiger Temperatur.

Ganz wichtig: Einfache Bedien-Logik

Werkleiter Lauwitz formuliert ein ehrgeiziges Ziel: „Wir wollen den Wettbewerbern immer min­des­tens einen Schritt voraus sein.“ Um das einzulösen, arbeite sein Betrieb ständig an Verbesserungen – sowohl der Produkte als auch des Fertigungssystems.

Ein wichtiger Hebel dafür ist die Produktionstechnik. In Traunreut stellen Mitarbeiter Werkzeuge selbst her. Damit werden in haushohen Pressen, die zum Beispiel auch die Auto-Industrie einsetzt, Blechteile wie Seitenwände oder Böden der Herde aus Stahlrollen gestanzt. „Unser Werkzeugbau ermöglicht einen optimalen Mate­rial-Einsatz“, erklärt Lauwitz.

Und welches sind die Trends für die Produkte? Ein geringerer Energieverbrauch, leichtes Reinigen und mit Hilfe von Automatik-Programmen stets gelungene Koch­ergebnisse. „Ganz wichtig ist auch eine einfache Bedien-Logik“, fügt Lauwitz hinzu. „Ein Albtraum, wenn man immer in dicken Anleitungen nachlesen müsste.“

Der Diplom-Ingenieur weiß, wovon er spricht: Der 45 Jahre alte Vater von drei Kindern ist Hobby-Koch.

Joachim Herr

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