Geschäftsidee

Abwracken für den Frieden


Hier werden Tausende Panzer demontiert

Rockensußra. Fauchend frisst sich die Flamme durch den Stahl. Funken tanzen um Ralf Schulz, den Mann mit dem Brennschneider. Als ob die Panzer-Verschrottung eine Feier wäre. Sein Chef, Peter Koch, sieht das so: „Bei jedem Panzer, der im Hochofen verschwindet, habe ich ein gutes Gefühl.“

Koch leitet die Battle Tank Dismantling Koch GmbH. In der Firma im Dorf  Rockensußra (Thüringen) wird schweres Kriegsgerät abgerüstet.  Über 14.000 Panzer, Kanonen und Schützenpanzer sind  hier seit 1991 verschrottet worden.

Ein Deal – fünf Jahre Arbeit

Begonnen hat die Ge­schichte der Panzerknacker  kurz nach der deutschen Ver­einigung. Militärische Entspannung zog ins vorher feindlich geteilte Europa. Damit wurde viel Kriegsgerät überflüssig. Ende 1990 setzte der  „Vertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa“ (KSE-Vertrag) zudem Höchstgrenzen für Kriegswaffen fest.

Auch in Deutschland musste  ein Platz her, an dem Panzer & Co. sicher vernichtet werden konnten. „Innerhalb von  acht Wochen ist das Industriegelände entstanden“, erinnert sich Koch, der in der Firma als Einkäufer anfing.

Zuerst ging es Kriegsgerät der Nationalen Volksarmee aus sowjetischer Produktion an den Kragen. Bald folgten Panzer der Bundeswehr. Ende der 90er-Jahre waren hier 180 Leute beschäftigt. Und sie hatten viel zu tun.

Trotzdem sorgten Management-Fehler beinahe für die Pleite. Vier Jahre lang kämpfte Koch um die Sanierung der Firma, die er im Jahr 2004 kurzerhand selbst kaufte. „Unternehmer wollte ich nie werden“, sagt er heute, „aber einer muss die Verantwortung übernehmen.“ Für die Firma, die Mitarbeiter – und für das Know-how, das in aller Welt gefragt ist.

Derzeit hat die Firma 35 Mitarbeiter. Auch im Auftrag Österreichs und der Schweiz rüstet sie ab. Gerade hat Koch die Arbeit für fünf Jahre gesichert: Er kaufte ge­meinsam mit  dem Hersteller Rheinmetall alle ausgemusterten „Marder“-Schützenpanzer der Bun­deswehr. Das sind Hunderte.

Kontrolle aus dem Weltraum

Damit so viele Kriegswaffen an einem Platz lagern dürfen, gab es zwischen Bund und Nato Gespräche. Und für Rockensußra den Titel „Verifikationsstandort“. „Das ist die europaweit exklusive Genehmigung für uns, unbegrenzt Panzer zu lagern“, erklärt Koch. Drei Tage dauert es, bis ein Marder in seine Einzelteile zerlegt ist. Sensible Teile wie Maschinenkanone und Triebwerk werden vom Bund extra gezählt und geprüft, bevor sie im Hochofen landen. Manche Teile dürfen wiederverwertet werden.

„Sicherheit ist ein Muss“, betont Koch. Etwas verschwinden lassen? Unmöglich, jeder Arbeitsschritt wird mehrfach kontrolliert. Einen kompletten Panzer klauen? Zwei Dutzend Satelliten haben das Gelände im Blick. Sobald sich ein Panzer unerlaubt bewegt, stehen die Feldjäger vor der Tür.

Uwe Rempe

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