Globalisierung

Abschied von „made in China"


Produzenten von Spielzeug setzen wieder mehr auf Europa

 

 

Vor einem Jahr machte sich Polierer Daniel Sennebogen Sorgen. „Wie geht es weiter mit der Firma?“ Sein Arbeitgeber, der Spielzeughersteller Heros, war insolvent. Dann kaufte die Fürther Simba-Dickie-Gruppe den Spezialisten für Holzspielzeug im 2.800-Seelen-Ort Lam im Bayerischen Wald und brachte neue Aufträge. „Es geht bergauf“, sagt Sennebogen.

 

 

 

Die Wende zum Guten verdankt der Betrieb der neuen Strategie von Simba Dickie (Big, Schuco). Die Nummer eins der deutschen SpielzeugBranche setzt bei der Produktion wieder mehr auf Europa statt auf China. Firmensprecherin Isabel Weishar: „Wir kaufen gezielt Betriebe in der EU. In China wird es schwerer, Lieferanten zu finden.“

 

 

 

Branche peilt Rekord-Umsatz an

 

 

 

Lange Zeit war China die „Spielzeugfabrik“ der Welt. Vor drei Jahren kamen drei Viertel der hierzulande verkauften Spielsachen aus der Volksrepublik. Jetzt sind es noch etwa 60 Prozent. Die deutschen Hersteller nehmen Abschied von „made in China“.

 

 

 

 

 

 

 

Ob Puppen von Steiff, Modellbahnen von Märklin oder Brettspiele von Hutter – im bunten Geschenk-Papier auf den Gabentischen steckt wieder mehr EU-Wertarbeit, so Volker Schmid, Geschäftsführer des Spielzeughersteller-Verbands in Nürnberg. „Der Trend wird anhalten.“ Insgesamt peilt die Branche (rund 11.000 Mitarbeiter) in diesem Jahr mit 2,6 Milliarden Euro einen Rekord-Umsatz an.

 

 

 

Was den Spielzeugproduzenten in China zu schaffen macht? Zum einen sind da die steigenden Löhne. „Die sollen in den nächsten drei Jahren noch mal um 50 Prozent zulegen. So will es die Regierung in Peking“, sagt Branchen-Insider Martin Böckling, Geschäftsführer des Spiel+Spaß-Einkaufsverbands. Die Arbeiter sollen etwas vom wachsenden Wohlstand des Landes abbekommen.

 

 

 

„Zum anderen setzt die Regierung dort auf die Produktion von Elektronik und Autos“, weiß Böckling. Dadurch werden die Kapazitäten für Spielzeug knapper.

 

 

 

Simba Dickie (3.700 Mitarbeiter, 570 Millionen Euro Umsatz) stellt die Weichen deshalb Richtung Europa. Statt nur 20 Prozent produzieren die Fürther heute wieder 35 Prozent ihres Spielzeugs hier. Und es soll mehr werden. Der Spieleverlag Hutter im bayerischen Günzburg hat den Europa-Anteil jüngst noch kräftiger hochgefahren. „Von hier aus können wir schneller auf die Nachfrage reagieren“, erklärt Firmenchef Hermann Hutter.

 

 

 

Schiefe Gesichter, ungenaue Modelle

 

 

 

Anderen machte die Qualität chinesischer Ware zu schaffen. Stofftier-Hersteller Steiff in Giengen etwa klagte über schludrig genähte Puppen mit schiefen Gesichtern. Er fuhr die 2004 gestartete China-Produktion bis 2010 wieder weitgehend zurück.

 

 

 

Ähnlich reagierte Modellbahn-Bauer Märklin in Göppingen auf die mangelnde Detailgenauigkeit der aus Fernost gelieferten Teile. „Das verärgert die Sammler“, sagt Geschäftsführer Stefan Löbich. „Wir haben den China-Anteil um ein Drittel verringert und werden ihn weiter reduzieren.“

 

 

 

Nun wollen die Göppinger sogar nach China exportieren. Ein Modell des chinesischen Hochgeschwindigkeitszugs soll zeigen, dass das Geschäft mit dem Land keine Einbahnstraße ist.

 

 

 

 

 

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