Weltraumtechnik

Ab ins All


Das Spezialunternehmen MT Aerospace aus Schwaben kommt hoch hinaus

Augsburg. Eigentlich ist es fast schade um die Arbeit und den Aufwand. Wenn die 440 Mitarbeiter von MT Aerospace in Augsburg ihre Arbeit gut gemacht haben, dann verglüht ihr wichtigstes Produkt.

Doch: Das soll so sein! Denn das Unternehmen fertigt die Gehäuse für die Treibstofftanks der Ariane- 5-Trägerrakete. Sie zählt zu den größten Projekten der europäischen Raumfahrt.

Hat die Rakete ihre Hightech-Fracht, meist Satelliten, ins All gebracht, verbrennt sie beim Wiedereintritt in die Atmosphäre. Übrig bleibt nur eine Sternschnuppe.

Tausende Kilo trotz Millimeter-Wandstärke

Das ist kaum vorstellbar, wenn man die riesigen Hüllen für die Tanks der Ariane 5 sieht. 25 Meter hoch sind die beiden Gehäuse. Sie bestehen aus sieben einzelnen Stahlzylindern sowie einem oberen und unteren Boden. Jedes Gehäuse bringt knapp 19.000 Kilogramm auf die Waage und das, obwohl die Wände nur acht Millimeter stark sind.

Aber das ist noch nicht alles: Die Augsburger Tankspezialisten liefern insgesamt 10 Prozent aller Teile für die Rakete. „Damit sind wir der größte deutsche Zulieferer“, erklärt der Vorstandsvorsitzende Hans Steininger stolz.

Das Geschäft mit der Ariane macht zwar den Löwenanteil aus. Aber auch Satelliten oder der neue Weltraumfrachter „Jules Verne“, der die Internationale Raumstation ISS versorgt, fliegen mit Bauteilen aus Schwaben.

Und weil die Erfahrung im Bau von Tanks so groß sei, erklärt der Firmenchef, beliefere das Unternehmen auch die Luftfahrtindustrie. „Die gesamte Airbus-Flotte, bis auf den A380, haben  wir  mit Frischwasser- und Abwassertanks ausgestattet.“

Außerdem beschäftigen sich in Mainz 35 Mitarbeiter mit der Planung von Radio-Teleskopen, die in der Weltraumforschung eingesetzt werden. „Wir helfen bei der Suche nach dem Ursprung des Alls“, berichtet Steininger.

Forschen für Hoffnungsträger

Die Auftragsbücher für das Geschäft in der Raumfahrt sind für die kommenden drei Jahre gefüllt. Der  Umsatz ist 2007 um rund 15 Prozent auf 110 Millionen Euro gestiegen. Nun sollen vor allem in der Fertigung rund 30 Mitarbeiter eingestellt werden.

Doch wer im Geschäft bleiben will, muss insbesondere in der Raumfahrt Zukunftstechnologien bieten. Deshalb forschen die Mitarbeiter von MT Aerospace im Auftrag der europäischen Weltraumorganisation ESA mit Hochdruck an leichteren und zugleich günstigeren Tanks für eine neue Satellitengeneration.

Statt auf Metall setzen die Schwaben auf kohlefaserverstärkten Kunststoff. Er verringert das Gewicht der Satelliten um ein Drittel und senkt damit auch die Kosten. Eine neue Technologie, die Hoffnungen weckt. Denn das wäre auch für die Ariane 5 interessant.

In den nächsten Wochen bleibt es für die Belegschaft spannend, denn dann wird über den Bau von 35 weiteren Ariane5-Trägerraketen entschieden. Und die Augsburger hoffen, wieder mit abzuheben!

Miriam Zerbel

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang