Familienunternehmen

Ab in den Korb


Wanzl ist der weltweit größte Hersteller von Einkaufswagen

Leipheim. Salatkopf, Müsli und Spaghetti. Alles rein. Und damit einmal zum Mond – jedenfalls rein rechnerisch.

360.000 Kilometer legt ein Einkaufswagen der schwäbischen Wanzl Metallwarenfabrik GmbH in Leipheim bei Ulm im Schnitt in seinem rund zehn Jahre währenden „Leben“ zurück. Bergeweise schieben wir darin Tag für Tag unsere Einkäufe zur Kasse. Ein Stück Bequemlichkeit, das keiner missen mag.

Neu: Trolleys und Transportwagen

„Jährlich produzieren wir circa zwei Millionen Einkaufswagen“, sagt Olaf Mörk, der Marketingleiter des schwäbischen Unternehmens. Zudem hat Wanzl neue Geschäftsfelder wie Logistik oder Ladenbau erschlossen und stellt Trolleys sowie Transportwagen für Flughäfen, Hotels, Kreuzfahrtschiffe oder fürs Lager von Online-Händlern her.

Unten vier Rollen, obendrauf ein Korb aus Draht. Diese flotte Idee brachte der im vergangenen Jahr verstorbene Firmengründer Rudolf Wanzl vor 60 Jahren aus den USA mit. Ein Handelshaus in Hamburg platzierte den ersten Auftrag.

Mit dem Wirtschaftswunder in den 50er-Jahren stieg die Kauflust der Deutschen. Die neuen Selbstbedienungsläden machten Wanzl groß. 1956, knapp zehn Jahre nach der Gründung, erreichte die Firma (damals noch in D-Mark) die erste Umsatz-Million. Seither geht es steil bergauf. Die 80er-Jahre brachten die Baumärkte – und neue Wagen für schwere Lasten. Nach der Wende öffneten Handelsketten im Osten der Republik. Und bestellten massenweise Wagen.

Die Schwaben sind Weltmarktführer. In dritter Generation leitet Gottfried Wanzl das Unternehmen mit mehr als 3.700 Mitarbeitern, davon zwei Drittel in Schwaben. Im vergangenen Jahr betrug der Umsatz rund 450 Millionen Euro. Vier Werke stehen in Deutschland, jeweils eines in Frankreich, Tschechien und China.

Mit Kindersitz und Leselupe

Zwölf Minuten dauert es, bis ein Wagen fertig ist. 90 Meter Draht werden in Stangen geschnitten, übereinandergelegt und verschweißt. Nicht nur Biegeroboter und Schweißautomaten sind am Werk. Handarbeit ist immer noch gefragt. Etwa beim Einhängen der Körbe ins Fahrgestell.

Rund 80 Mitarbeiter tüfteln in Leipheim an neuen Produkten. Der „Concentra“ von 1951 schuf die Basis: das erste Modell mit klappbarer Rückwand. Dann kam der praktische Kindersitz, ein Korb für Kleinartikel sowie Halter für Getränkekisten. Später Münzschloss und eine Leselupe fürs Kleingedruckte.

„Es gibt fast alles, bis hin zum Halter für den Blumenstrauß“, schwärmt Marketingleiter Mörk von den mehr als 100 Modellen. Bis zu 315 Liter Inhalt fasst der Korb. Das sind gut 30 Zehner-Kartons Milch.

Markenzeichen der wendigen Wagen sind ihre Rollen – „nahezu wartungsfrei“, so Mörk – sowie die spezielle Oberfläche mit robustem Lack oder Kunststoff-Pulver-Beschichtung in allen erdenklichen Farben, von Chrom bis Zink und Minzgrün bis Ultramarin. Die wetterfeste Versiegelung hält selbst Tropenklima stand. Trolleys made in Schwaben transportieren Koffer auf den Seychellen, Malediven oder auf Mauritius.

Hohe Zuwachsraten erzielt die Firma im Ladenbau. Wanzl liefert Regale, auf Wunsch komplette Einrichtungen. Mörk: „Wichtig ist, dass die Optik stimmt.“ Dann wandert auch mehr Ware in den Wanzl-Wagen.

 

 

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