Wehrtechnik

A400M sichert Jobs an der Weser


Airbus Bremen baut den Rumpf und das Fracht-Lade-System des neuen Militär-Frachters

Bremen. Zentimeter um Zentimeter schiebt sich der Koloss, 32 Meter lang, 25 Tonnen schwer, in den Bauch des Super-Transportflugzeugs Beluga. Noch kann das, was da verfrachtet wird, nicht selbst abheben. Doch den Hunderten Technikern, Wissenschaftlern und Ingenieuren, die auf dem Bremer Airbus-Gelände Beifall klatschen, ist in diesem Augenblick klar: Es ist nur eine Frage der Zeit. Er wird fliegen. Und er wird hier gebaut.

Das teure Stück, das kürzlich so symbolträchtig auf die Reise ging, ist der Rumpf des vierten Prototypen des A400M – des Militärfrachtflugzeuges der Zukunft, das zum Beispiel drei Sanitätsfahrzeuge, zwei Bagger oder drei gepanzerte Fahrzeuge nonstop bis zu 8.700 Kilometer weit transportieren kann.

„Vielen ist das gar nicht bewusst“

Es ist das zurzeit wichtigste Rüstungsprojekt Europas.

Knapp die Hälfte der 3.000 Bremer Airbus-Beschäftigten ist in die Entwicklung und Produktion des A400M einbezogen. Nach monatelangem Streit um die Finanzierung ist das Vorhaben nun gerettet. „Die Erleichterung ist groß“, sagt Standortleiter Kai Brüggemann.

Das Bremer Werk trägt Programm- und Entwicklungsverantwortung für den Rumpf, das Leitwerk und das sogenannte Hochauftriebssystem. Hinzu kommt die Fertigung von Kleinblechteilen, die Montage des Rumpfes sowie der Transport zur Endmontage im spanischen Sevilla.

Auch das Herzstück des Flugzeuges, das Fracht-Lade-System, wird in Bremen entwickelt. „Vielen ist nicht bewusst“, so Brüggemann, „dass Bremen der wesentliche Standort für die A400M-Entwicklung und -Produktion ist.“

Große Teile für den Rumpf, der in Bremen zusammengesetzt und komplett ausgestattet wird, stammen aus norddeutschen Werken von Airbus und Premium Aerotec: Kohlefaser-Rumpfschalen aus Nordenham, Aluminiumteile und Produktionsvorrichtungen aus Varel, Seitenleitwerke und Flügelschalen aus Stade. Bundesweit hängen 11.000 Arbeitsplätze am A400M-Programm, insgesamt sind es sogar 40.000.

Viel mehr, viel schneller, viel weiter

20 Milliarden Euro für 180 Maschinen – diesen Preis hatte der Airbus-Mutterkonzern EADS im Jahr 2003 den sieben Käuferländern zugesagt: Deutschland, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Belgien, Luxemburg und Türkei. Doch dann schossen die Entwicklungskosten um mehrere Milliarden in die Höhe. Ende 2009 absolvierte der A400M zwar erfolgreich den Jungfernflug. Doch seitdem war das Bangen groß.

Nun der Kompromiss: Die Käuferländer zahlen 2 Milliarden Euro mehr und gewähren  weitere 1,5 Milliarden als Vorschuss auf künftige Export-Erlöse. Das Gros der Mehrkosten, mindestens 4 Milliarden, muss EADS selbst tragen.

Technisch gesehen ist der A400M das vielseitigste Flugzeug aller Zeiten. Es transportiert mehr, schneller und weiter als seine Vorgänger, es betankt in der Luft schnell fliegende Kampfjets ebenso wie langsame Hubschrauber, es startet und landet selbst auf kurzen Sandpisten. „Ein multifunktionaler Lastwagen der Lüfte“, sagt Brüggemann.

Ab 2013 wird ausgeliefert

Die Bremer Spezialisten müssen nun den Prototypen an die umfangreichen Kundenanforderungen anpassen – etwa bei der Elektronik oder beim Fracht-Lade-System. Ab 2013 soll dann zunächst alle drei Monate eine Maschine das Werk verlassen. In der Folge soll die Frequenz noch steigen.

 

Info: Der A400M

  • Das erste militärische Flugzeug des europäischen Gemeinschaftsunternehmens Airbus.
  • Mit bis zu 37 Tonnen Nutzlast, 780 Stundenkilometern, 8.700 Kilometern Reichweite und 1.100 Metern maximaler Flughöhe deutlich einsatzfähiger als bisherige Militärfrachter.
  • So groß wie ein Hochhaus: 45,1 Meter lang, 14,7 Meter hoch und mit 42,4 Metern Spannweite.
  • Angetrieben von vier Turbo-Prop-Triebwerken mit zusammen 45.000 PS.

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