Kosten

50.000 Euro bringt die Handschuh-Idee


Wie der Aluprodukte-Hersteller Novelis durch die Krise kommt

Göttingen. Aluminium in der Produktion ist scharfkantig, heiß und glatt. Für Thorsten Sieder und seine Kollegen sind also Handschuhe Pflicht. „Ohne sie geht es nicht. Ich verbrauche nicht selten pro Tag ein Paar“, sagt der 32-jährige Facharbeiter des Aluminium-Verarbeiters Novelis GmbH in Göttingen.

Früher gingen die Handschuhe nach Gebrauch meist in den Sondermüll. Jährlich bis zu 40.000 Stück verbrauchten die 600 in der Produktion beschäftigten Mitarbeiter. Heute werden die nützlichen Helfer sortiert. Eine Wäscherei reinigt sie. „Die sind dann wie neu“, erzählt Sieder.

„Wir sparen rund 50.000 Euro pro Jahr allein mit dieser Maßnahme“, hat Stefan Erdmann, ehemaliger Werkleiter Novelis, errechnet. Sparen in der Krise – wie in vielen Firmen schnallt man auch hier den Gürtel enger. „Wir haben alle Bereiche auf den Prüfstand gestellt“, sagt Erdmann. 40 Projekte sind entstanden.

Stammbelegschaft gehalten

Die Mitarbeiter haben nicht nur in Produktion und Einkauf den Rotstift angesetzt. Sie waren auch selbst bereit, in der Krise zu verzichten. Dabei half die Fle-xibilität des Tarifvertrags. Die Entgelterhöhung im Jahr 2009 haben sie sich später auszahlen lassen – und sie waren einverstanden, dass die sonst üblichen Bonuszahlungen, die die Firma neben Urlaubs- und Weihnachtsgeld jährlich zahlt, letztes Jahr ausgesetzt wurden. Das Geld blieb in der Firmenkasse und sorgte für die nötige Liquidität.

Den Weg gingen Geschäftsführung und Belegschaft gemeinsam. Offene Kommunikation heißt das Erfolgsrezept. „Wir haben die Mitarbeiter seit Ausbruch der Krise 2008 jederzeit über unsere wirtschaftliche Situation informiert“, sagt Personalleiter Wolfram Joos. „Es wurde nichts schöngeredet oder verheimlicht.“ Das sorgte für Vertrauen und half, auch unangenehme Maßnahmen gemeinsam zu tragen. „So ziemlich alle im Betrieb standen hinter dem Management.“

Mit Erfolg: Die Stammbelegschaft von rund 800 Mitarbeitern konnte gehalten werden. Das war wichtig. Inzwischen stieg die Nachfrage zum Teil sehr plötzlich wieder an.

Es geht klar aufwärts

Das Werk ist Spezialist für gewalzte Alu-Produkte, vor allem hochwertige Materialien für die Druck- und Verpackungsindustrie. Im Fließpressverfahren fertigt es zudem Flaschen, Kartuschen, Dosen und Gehäuse. Die Hersteller von Druckplatten für die Lithografie bestellten zuletzt wieder ein Fünftel mehr, auch das Dosen-Geschäft zieht deutlich an. Es geht klar aufwärts, auch wenn das Niveau von 2008 noch nicht ganz erreicht ist. Das Werk Göttingen verdient Geld. Eric Tonkowski, Werkleiter Novelis Göttingen: „Wir haben ein Zeichen gesetzt. Unsere Konzernleitung weiß, dass hier Belegschaft und Werkleitung an einem Strang ziehen.“

Es dürfte sich herumsprechen: Insgesamt produziert Novelis als globaler Marktführer mit 12.900 Mitarbeitern in elf Ländern. Er ist Teil der Aditya-Birla-Gruppe mit Sitz in Indien.

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