Ausbildung

5 Prozent zusätzliche Lehrstellen


Ausbildungsstart 2010: Chancen, aber auch Sorgen

Hannover. Die Ausbildungsbereitschaft der Kautschuk-Industrie nimmt zu. Aber: Zwei Drittel der Firmen sehen Handlungsbedarf wegen rückläufiger Bewerberzahlen. Und: Acht von zehn Betrieben stellen immer öfter mangelnde Ausbildungsreife der Bewerber fest. Das sind die Ergebnisse einer Umfrage vom Arbeitgeberverband der deutschen Kautschukindustrie, die im September vorgestellt wurde.

Die Betriebe stellen zum Ausbildungsstart 2010 nach heutigem Stand insgesamt 325 neue Ausbildungsplätze zur Verfügung, verglichen mit 2009, ein Plus von 5 Prozent.

Die Fachkräfte von morgen

Olaf Brandes, Abteilungsleiter Bildung des Arbeitgeberverbandes: „Unsere Unternehmen haben ihre Zukunftssicherung im Blick. Sie zeigen ein hohes Interesse an den Fachkräften von morgen.“ Die sinkende Ausbildungsreife aber wird zum Problem.

Mehr als 80 Prozent der Firmen kritisieren zudem bereits bei der Bewerbung erhebliche Mängel in der äußeren Form, und zwei von drei Betrieben beklagen in den Bewerbungsschreiben massive Defizite in Rechtschreibung, Ausdrucksfähigkeit und Grammatik.

Nur ein Drittel der Bewerbungen weist keine gravierenden Mängel auf. Brandes: „Oft handelt es sich um elementare Fertigkeiten, die einfach nicht vorhanden sind.“

Die Unternehmen wissen, dass sie gegensteuern müssen. Jeweils vier von zehn Betrie-ben bieten Nachhilfe an. Über 60 Prozent reagieren auf den absehbaren Trend rückläufiger Bewerberzahlen.

Erfolge sollten Mut machen

Sie werden das Ausbildungsmarketing verstärken, mehr mit Schulen kooperieren und neue Bewerbergruppen einbeziehen; dazu zählen beispielsweise Schulabgänger mit Migrationshintergrund. Deren Bildungschancen müssen erhöht werden. Brandes: „Seit Jahrzehnten arbeiten in unserer Industrie ausländische und deutsche Mitarbeiter sehr erfolgreich und harmonisch zusammen. Dies gilt es zu verstärken.“

Nach Untersuchungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) sind die Chancen von Migrantenkindern auf Lehrstellen geringer als für deutsche Jugendliche, weil viele Migranten nicht das erforderliche Qualifikationsniveau haben. Bildungsexperte Brandes: „Hier besteht tatsächlich dringender Handlungsbedarf.“

Stimmen aus den Betrieben

Marc Estorf, Personalleiter der Merkel Freudenberg Fluidtechnic GmbH in Hamburg:

„Langfristig ist die Nachwuchssicherung immer sinnvoller als mit Leiharbeitern zu arbeiten. Deshalb werden wir auch in Zukunft qualifizierte Bewerber um die von uns angebotenen Ausbildungsplätze dringend benötigen.“

Josef Lottes, Geschäftsführer Personal und Organisation Pirelli Deutschland GmbH in Höchst:

„Elternhaus und Eigeninitiative sind gefragt. Schülerinnen und Schüler sollten sich frühzeitig über den gewünschten Ausbildungsberuf informieren und sich gezielt auf die Bewerbung vorbereiten. Der erste Eindruck ist die Chance.“

Claude Olinger, Geschäftsführer der Goodyear Dunlop Tires in Hanau:

„Es wäre schon sehr wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler sich bereits frühzeitig über die Ausbildungsberufe informieren und sich entsprechend vorbereiten. Hier sind Schule, Elternhaus und Unternehmen gefordert.“

Hans-Jochen Lorenzen, Geschäftsführer der Albis Plastic GmbH in Hamburg:

„Zeugnisse und ihre Zensuren sind für uns nicht immer entscheidend. Viel wichtiger ist auch das Sozialverhalten. Wir brauchen junge Leute, die in Teams arbeiten können und außerdem noch kommunikativ sind.“

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Schlagwörter: Ausbildung

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