Großaufrag aus Oslo

400 Ladestationen aus dem Sauerland für Norwegens Elektroautos


Kirchhundem. Altbundeskanzler Gerhard Schröder – nie verlegen um einen flapsigen Spruch – sagte vor einigen Jahren bei einem Besuch der Firma Mennekes in Kirchhundem: „Überall auf der Welt fängt ein Kabel an und hört ein Kabel auf. Wichtig ist, dass an beiden Enden ein Mennekes-Stecker ist.“

Das sieht man bei dem sauerländischen Unternehmen genauso: Jetzt steht es auch in Sachen Elektro-Mobilität mächtig unter Strom – ein extrem spannender Markt.

Geschäftsführer Volker Lazzaro kann derzeit wirklich zufrieden sein: Mennekes hat gerade einen Großauftrag der Stadt Oslo erhalten und liefert dorthin in den nächsten Monaten 400 Ladestationen für Elektroautos. Lazzaro weiß, warum die E-Mobilität in Norwegen boomt: „Dort werden Elektroautos stark vom Staat gefördert. Und weil dies so ist, hat nach Jahrzehnten zum ersten Mal ein Elektroauto den VW Golf von Platz eins in der norwegischen Zulassungsstatistik verdrängt.“

Die Zahlen sprechen für sich: In Norwegen kommen auf 5 Millionen Einwohner etwa 15.000 Elek­troautos. In Deutschland sind es nur 11.000 – und das bei 80 Millionen Bürgern! Und: Jeden Monat werden im Norden Europas weitere 500 E-Mobile zugelassen.

Stecker soll Norm in der ganzen EU werden

Während hierzulande das Geschäft noch schleppend läuft, gewinnt Mennekes immer mehr internationale Aufträge. Grund: Anfang des Jahres gelang dem Unternehmen ein großer Coup, der in die Zukunft weist. Die EU-Kommission hat sich dafür ausgesprochen, das Mennekes-Produkt als EU-Ladestecker zu normen. Lazzaro: „Wir gehen davon aus, dass dies bis Mitte 2014 geschehen sein wird.“ Als die Firma die Nachricht erhielt, „hat unser E-Mobilitätsteam ordentlich die Korken knallen lassen“, erinnert sich Lazzaro. „Uns war klar – wir konnten mit unserer Technik schneller und besser laden als die Konkurrenz aus Japan oder den USA.“

Für Mennekes steht damit die Tür zu einem jungen Markt weit offen. Das Gros des Jahresumsatzes von zuletzt 115 Millionen Euro erzielt das Unternehmen allerdings mit Industriesteckervorrichtungen und -verteilungen; da ist Mennekes (720 Mitarbeiter, 500 am Stammsitz Kirchhundem) Weltmarktführer. Zwar steuert die E-Mobilität nur 8 Prozent zum Umsatz bei. Doch der Oslo-Auftrag zeigt, dass sich dies rasch ändern könnte.

Ladezyklus dauert nur gut eine Stunde – statt acht Stunden

So eine Ladestation steckt voller Elektronik. Sie stellt per Chip oder Karte fest, wer „tanken“ darf, misst die Strommenge und rechnet über eine Mobilfunkverbindung mit dem Kunden ab. Zudem regelt sie eigenständig Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Gehäuse – und hat sogar eine beheizte Steckdose. Das Beste aber: So ein Starkstrom-Ladezyklus dauert nur gut eine Stunde – und nicht acht Stunden wie an der normalen Steckdose. Und die Kosten für eine Ladestation? Ab 1.000 Euro für die heimische Garage, ab 6.000 Euro für die „Freiluft-Anlage“ im öffentlichen Raum mit zwei Ladepunkten.

Derweil fügt Matthias Steinberg behutsam Bauteil um Bauteil der norwegischen Strom-Tankstellen zusammen. Er hatte seinerzeit auch die Prototypen der Europa-Stecker für die Zulassung gebaut: „Ich habe damals geahnt, dass wir etwas Besonderes machen.“ Und was würde wohl der Altkanzler heute zum Firmenerfolg sagen? Vielleicht das: „Und jetzt hol uns mal ’ne Flasche Bier!“

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