Perspektiven

30 Millionen Euro für sichere Jobs


Wie sich ein Mittelständler aus Bamberg für seinen Standort einsetzt

Bamberg. Der Arbeitsplatz bei dem Arzneimittel-Hersteller Dr. Pfleger in Bamberg ist Chemielaborantin Ann-Kath-rin Will sehr wichtig, genau wie allen anderen 290 Mitarbeitern. Mit dem Bau einer neuen 30 Millionen Euro teuren Produktion für Tabletten, Zäpfchen und Salben sichert das Unternehmen jetzt die Jobs – obwohl der Mittelständler die Investitionen in einer wirtschaftlich harten Zeit stemmen muss.

Mit dem Neubau verdreifacht sich die Produktionsfläche auf 4.300 Quadratmeter. „Damit ist die Zukunft der ganzen Mannschaft erst einmal gesichert“, sagt Geschäftsführer Josef Ahmann erleichtert. Das Unternehmen hat künftig genügend Reserven für die Produktion neuer Arzneimittel, schon im Dezember soll alles fertig sein.

So wie Ahmann denken viele Unternehmer: 2008 investierte die Chemie- und  Pharma-Branche bundesweit 7,1 Milliarden Euro in Sachanlagen (siehe Grafik in Galerie). 

Sanierung während Produktion unmöglich

Doch in Bamberg hätte es  auch ganz anders kommen können. Der Hintergrund:  Bei einem Pharma-Unternehmen muss alles tipptopp sein, von der Decke bis zum Boden. Entsprachen zum Beispiel vor 30 Jahren gekachelte Böden und Wände noch dem besten Standard, sind heute dicht schließende Beschichtungen mit speziellen Epoxidharzen erforderlich. Alle Fenster müs- sen sich dort fugenlos einpassen. „Eine entsprechende Sanierung ist bei laufender Produktion unmöglich“, erklärt der Chef.

Die Sanierung ist jedoch behördlich gefordert und damit verpflichtend. Was also tun? Die Produktion schließen und ein reines Vertriebsunternehmen betreiben? „Das wäre möglich“, sagt Ahmann. Denn für einen kompletten Neubau fehlte ihm schlicht das Geld: „Wir machen im Jahr 64 Millionen Euro Umsatz. So eine Rieseninvestition übersteigt einfach unsere Mittel.“

Stiftung hilft bei Finanzierung

Zum Glück sprang die Gesellschafterin ­– die Dr. Robert Pfleger-Stiftung – mit einem Zuschuss von 11,5 Millionen Euro ein. Die Mitarbeiter reagierten erleichtert. Sie stehen hinter der Firma, bereit, alle Schwierigkeiten zu meistern: „Jeder fühlt sich als Mitglied in dieser großen Gemeinschaft“, lobt der Betriebsratsvorsitzende Günther Schwarz. Und ergänzt: „Das machen wir eben besser als manch anderer.“

Doch trotz des Neubaus wird es nicht leicht: Dem umsatzstärksten Produkt, einem Mittel gegen Harninkontinenz („Spasmex“), das 35 Prozent vom Umsatz einfährt, drohen herbe Verluste.

Grund sind die Rabattausschreibungen der gesetzlichen Krankenkassen. Auf der Suche nach billigen Nachahmern (Generika) schreiben sie Wirkstoffe von Standardarzneimittel europaweit aus.

Seit April ist Dr. Pfleger davon betroffen: „Große internationale Konzerne, häufig aus Indien, gründen extra Tochtergesellschaften, um den Zuschlag zu bekommen“, meint der Geschäftsführer. Als Mittelständler hat er da einen schweren Stand. Ahmann bleibt dennoch optimistisch: „Wir setzen auf den Export, besonders nach Osteuropa und vielleicht auch Asien.“

Sabine Latorre

Artikelfunktionen


'' Zum Anfang