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20 Jahre für eine Idee


Tippen und fertig: Per Knopfdruck erhalten die Mitarbeiter der Maschinenfabrik Reinhausen heute alle benötigten Informationen einfach und schnell an ihrer Maschine. Johann Hofmann hat’s möglich gemach

Wie Johann Hofmann eine Maschinenfabrik umgekrempelt hat

Regensburg. Der  Mann tippt zweimal mit dem Zeigefinger auf den Bildschirm der Maschine. Und strahlt. „Sehen Sie, jetzt habe ich zur aktuellen Produktion Skizzen, Daten und die Liste eingesetzter Werkzeuge“, erklärt Johann Hofmann. „Alles, was ich brauche. Es ist kinderleicht.“

Vor den Produktionsanlagen häufen sich keine Papierberge mehr,  Mappen und Ordner haben ausgedient: Die Fertigungshalle der Maschinenfabrik Reinhausen hat die digitale Revolution hinter sich.

Alle Maschinen des Werks sind über einen zentralen Computer miteinander vernetzt. Das Internet ermöglicht die Produktionssteuerung nun sogar am Schreibtisch. Oder am Strand auf Hawaii.

Der Papierwust geht auf den Geist

„Die digitale Fabrik ist mein Lebenswerk“, sagt Hofmann stolz. 1987 fing der heutige Leiter der Abteilung für computerunterstützte Fertigung (CAM) als junger Maschinenbau-Ingenieur im Regensburger Stammwerk an. Auch damals produzierte das Unternehmen vor allem Stufenschalter. Sie sorgen für geregelte Spannung im Stromnetz.

„Vom ersten Tag an war ich genervt“, erzählt der 50-Jährige. Kollegen störten ständig mit zeitraubenden Nachfragen zur Produktion. Der Papierwust ging ihm auf den  Geist.  „Ich  sollte  eigentlich Fertigungsprogramme für einzelne Maschinen schreiben und nicht grundsätzlich infrage stellen, wie gearbeitet wird.“

Hofmann begann trotzdem sofort damit. Er suchte nach Wegen, den Informationsfluss zu vereinfachen. „Man kann mir vorwerfen, dass ich nie jemanden gefragt habe, ob ich das alles darf“, gibt er heute zu. „Mein damaliger Fertigungsleiter hat mich aber zum Glück einfach machen lassen. Ihm war wichtig, was hinten rauskommt – und er hat mir vertraut.“

So tüftelte Hofmann jahrelang auf eigene Faust an der vernetzten Produktion. Auch nach Feierabend oder am Wochenende. Fast 20 Jahre hat es gedauert, zuerst die Software zu entwickeln und dann Schritt für Schritt die komplette Fertigung umzukrempeln. Maschine für Maschine. Heute läuft alles wesentlich effizienter.

Mittlerweile genügen schon ein paar Mausklicks und der Computer sucht in Sekundenschnelle die Maschine aus, die für die kommende Produktion am bes­ten geeignet ist. Vor einem neuen Auftrag müssen nämlich in der Regel Werkzeuge ausgetauscht werden. Je weniger es sind, desto kürzer steht die Anlage still. Das senkt die Kosten – erheblich.

Andere Unternehmen zeigen Interesse

„Pro Maschine und Jahr sparen wir mindestens 45.000 Euro“, schätzt der Geschäftsführer der Maschinenfabrik Reinhausen, Dr. Nicolas Maier-Scheubeck. Er hat vor ein paar Jahren angeregt, die von seinem Mitarbeiter entwickelte Software zu vermarkten. Erste Kunden wurden bereits gewonnen, Projekte realisiert. Langfristig Fuß fassen: Das ist die Hoffnung.

Hofmann, der zurückhaltende Tüftler, hat nun eine neue Aufgabe: beraten und verkaufen. Seine Entwicklung anzupreisen, ist für ihn die bisher größte berufliche He­rausforderung. „Ich erlebe gerade die spannendste Zeit meines Lebens“, sagt er. Und beneidet beinahe die jüngeren Leute in seinem Team. Sie dürfen weiterhin Tag für Tag programmieren.

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