Papierverarbeitung

150 Jahre – und topmodern


Die traditionsreiche rlc packaging group setzt auf die schlanken Methoden der Auto-Industrie

Hannover. R2-D2, Nummer 5, Wall-E – und last but not least: T-800! Filmfans kennen sie alle, diese sehr selbstständigen Roboter aus Hollywood-Rennern wie „Star Wars“ oder „Terminator“. Aber alle vier in einer Halle?! Das gibt’s wohl nur in Hannover, beim Faltschachtel-Spezialisten rlc packaging.

Dort tragen seit kurzem vier Roboter die berühmten Namen: vier „fahrerlose Transportsysteme“ (kurz FTS). „Wir wollten was Cooleres als ,FTS 1‘ und ,FTS 2‘ – also haben wir ihnen einfach die Namen von Filmhelden gegeben“, erzählt Versandmitarbeiter Giovanni Rizzo. Als Mitglied des Planungsteams haucht er den Hightech-Flitzern Leben ein, mithilfe seines Laptops und ausgeklügelter Software.

Auf Knopfdruck bringen die FTS zum Beispiel Rohware zur Druckmaschine, bedruckte und gestanzte Nutzen zur Klebelinie oder fertige Faltschachteln zum Versand. „Zuerst waren sie uns ein wenig unheimlich“, erinnert sich der Apparateführer Jürgen Marckmann, „und ich habe viele ihrer Aufgaben immer wieder kontrolliert.“ Skepsis war gestern, längst will Marckmann die FTS nicht mehr missen: „Irgendwie sind sie für uns richtige Kollegen geworden, die uns wirklich helfen, die eben einfach ihre Arbeit machen – und manchmal sogar Fehler.“

„Eine der modernsten Maschinen der Welt“

Die Roboter sind nur ein Teil des Firmenkonzepts für schlankere Strukturen in der ganzen Wertschöpfungskette („lean management“), das die zuletzt stark gewachsene rlc-Gruppe nach und nach in ihren Produktionsstätten umsetzt. Im Werk Hannover, das Verpackungen für bekannte Körperpflege- und Kosmetikhersteller liefert, wurden rund 2 Millionen Euro investiert.

Hier entstehen aufwendig bedruckte Faltschachteln, auf Wunsch glitzernd, lackiert, geprägt und in allen Farben changierend – oder mit Hologramm: „Bei uns steht eine der modernsten Druckmaschinen der Welt, die keine Wünsche offenlässt“, sagt Hans-Christian Bestehorn, Sprecher der Geschäftsführung.

Der Materialfluss in der Produktion wurde völlig neu konzipiert: „Dabei nutzen wir als einer der Ersten in unserer Branche die Erfahrungen aus der Automobil-Industrie“, sagt Bestehorn, „die das lean management, eine schlanke Produktion und Just-in-time-Anlieferungen schon vor Jahrzehnten eingeführt hat.“ Der Einsatz von R2-D2, Nummer 5 & Co. soll die Abläufe jetzt noch weiter optimieren.

Solche innovativen Ideen gab es immer wieder in der Firmengeschichte, die vor mehr als 150 Jahren begann. 1861 gründete Heinrich Christian Bestehorn, ein Vorfahre der heutigen Inhaber, in Aschersleben ein Unternehmen zur Herstellung von Papierbeuteln und Spritztüten. Er zählte damit zu den Pionieren für Kleinverkaufsverpackungen.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Firma der Hauptlieferant für die bei Dr. Oetker in Millionenauflagen benötigten Tütchen für Backpulver, Pudding und Vanillezucker. 1926 wurde die hannoversche Firma rlc übernommen, die jetzt der ganzen Gruppe den Namen gibt.

Nach wie vor gehört Dr. Oetker zum Kundenstamm. Und auch viele andere Markenartikel-Hersteller setzen auf das Knowhow von rlc, darunter Beiersdorf (Nivea), Henkel, L’Oréal, Procter & Gamble und Kraft Foods. Es geht also um Schachteln für ganz verschiedene Produkte aus ganz verschiedenen Branchen.

Einer der größten Hersteller in Europa

Um im Bereich Arzneimittel-Verpackungen weiter wachsen zu können, will rlc in den nächsten Jahren 20 Millionen Euro in seinen Standort Berlin investieren. Zur Stärkung der Süßwarensparte wiederum hat die Gruppe sich 2011 gleich zweimal vergrößert: durch den Kauf des Aachener Familienunternehmens Aug. Heinrigs und der Schweizer Firma Limmatdruck-Zeiler. Damit ist einer der größten Faltschachtel-Hersteller Europas entstanden – mit 1.200 Beschäftigten, die in acht Werken in Deutschland, Polen und der Schweiz einen Jahresumsatz von 230 Millionen Euro erwirtschaften.

 

 

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