Die Suche nach der persönlichen Bestform

Quantified Self: Wie und weshalb immer mehr Menschen auf Selbstvermessung setzen

Berlin/München. Bin ich fit? Bewege ich mich genug? Mobile Minicomputer wie intelligente Uhren und Armbänder zeigen dem Träger, wie viele Schritte er gegangen ist. Sie ermitteln auch Puls, Blutdruck und verbrannte Kalorien.

Selbstvermessung („Quantified Self“) heißt das Hobby. Mindestens 13 Prozent der Bundesbürger nutzen laut dem Digitalverband Bitkom in Berlin einen sogenannten Fitness-Tracker, etwa um sich zu mehr Bewegung zu motivieren.

In diesem Jahr wird die Branche rund 1,7 Millionen tragbare Geräte (inklusive Smartwatches) verkaufen, so die Prognose. Experten erwarten einen Umsatz von 240 Millionen Euro. „Das Interesse steigt spürbar“, bekräftigt Florian Schumacher, Berater für digitale Gesundheitslösungen aus München. Er ist Gründer der Quantified-Self-Szene in Berlin und München. In deren Foren und auf Konferenzen tauschen sich die Fans aus.

Schumacher überwacht seine Körperfunktionen schon seit fünf Jahren. Der 35-Jährige schläft etwa auf einer Matratze mit Sensoren, die seine Atmung und Bewegung dokumentieren. Beim Sport misst spezielle Ausrüstung seine Herzfrequenz, Muskelspannung und Trittfestigkeit. „Ich lerne aus den Daten, wie ich funktioniere und was mir guttut“, sagt er. Regelmäßig testet er neue Technologien.

Seine Ernährung passt er seinen Körpersignalen an, um seine Leistung zu optimieren und in Bestform zu sein. Dafür kontrolliert er zum Beispiel wöchentlich sein Blutbild. Möglich machen das medizinische Selbsttests für zu Hause.

Ob ein Gluten-Check, Cholesterin-Test, eine Vitaminspiegel-Analyse oder eine Darmflora-Kontrolle – nichts, was es nicht gibt. Seit April bündelt etwa das Online-Portal Vimeda die Angebote verschiedener Hersteller – über 100 Tests bietet der Shop an. Per Mausklick landen die meisten Sets direkt im Briefkasten. Manche Ergebnisse kann man gleich von Streifen ablesen, für manche Tests sendet man eine Blut-, Urin- oder Stuhlprobe ein. Das Geschäft boomt: „Allein von 2012 bis 2014 ist unser Absatz um mehr als 200 Prozent gestiegen“, berichtet Patrick Schulze vom Diagnostik-Spezialisten Medivere. Bis Oktober lagen die Zahlen weitere 32 Prozent im Plus.

Das Mainzer Unternehmen stellt über 60 Tests her. Der Vitamin-D-Check sei der Renner, auch Lebensmittelallergie-Tests seien beliebt, sagt Schulze. „Wir beobachten, dass die Menschen zunehmend das Bedürfnis haben, sich auf eigene Faust schlauzumachen.“ Wer zu Hause teste, spare Zeit und müsse sich nicht rechtfertigen.

So sieht das auch Florian Schumacher. Zum Arzt geht er trotzdem regelmäßig – und bespricht seine Ergebnisse. Dazu raten Mediziner und die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände: „Selbsttests bieten nur eine erste Orientierung. Den Arztbesuch ersetzen sie nicht.“


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Es muss nicht gleich die große Umstellung sein. Um gesünder zu leben, kann man mit kleinen Schritten anfangen – zum Beispiel mit einem Spaziergang. Hier geht es zu weiteren Tipps vom Gesundheitsexperten Ingo Froböse.

„Die kleinen Programme können motivieren“, betont Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule. Die Rede ist von speziellen Fitness-Apps. AKTIV verrät, wie sie funktionieren – und gibt Tipps für Einsteiger.

Es gibt viele gute Gründe, Sport zu machen. Und viele mehr oder weniger gute Ausreden, erst gar damit anzufangen. Doch diese zehn Apps bringen Einsteiger leichter in Form – kostengünstig bis gratis, immer und überall verfügbar.

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