Altkleider: Dubiose Händler stellen immer mehr illegale Sammelcontainer auf: AKTIVonline

Kampf ums letzte Hemd

Altkleider: Dubiose Händler stellen immer mehr illegale Sammelcontainer auf


Genehmigter Container: 750.000 Tonnen Altkleider werfen die Deutschen jährlich weg. Foto: Straßmeier

Saarbrücken/Essen. Wer anderen Menschen helfen möchte und zum Beispiel einen Pullover in einen Altkleider-Container wirft, kann auf zweifelhafte Geschäftsmethoden reinfallen. Denn viele der großen Behälter, die die Deutschen säckeweise befüllen, stammen weder von sozialen Einrichtungen noch von seriösen Unternehmen.

„Illegale Container schießen in ganz Deutschland wie Pilze aus dem Boden“, sagt Andreas Voget, Geschäftsführer von Fairwertung, dem Dachverband für kirchliche und gemeinnützige Kleidersammler in Essen.

„Ein Großteil der Kleider landet bei dubiosen Händlern und gelangt auf unbekannten Kanälen ins Ausland“, sagt er. Nach Schätzungen des Verbands stehen mittlerweile bundesweit mehrere Zehntausend Behälter ohne Genehmigung herum. Und auch Sammel-Aktionen an der Haustür, die mit Flyern angekündigt werden, sind längst nicht alle seriös.

„Legale Organisationen geben immer die vollständige Adresse und Telefonnummer auf den Containern an“, so Voget. „Wenn man skeptisch ist, kann man dort anrufen und sich erkundigen, ob es die entsprechende Einrichtung überhaupt gibt.“

11 Millionen Euro erlöst das Rote Kreuz aus alten Sachen

Die weltweite Nachfrage nach Secondhand-Ware ist stark gestiegen. Der Kilopreis liegt bei 30 Cent. Vor zehn Jahren war es noch die Hälfte. Unter dem Klamotten-Kampf leiden die karitativen Einrichtungen und die Sortierbetriebe, die auf die Ware angewiesen sind. „Die gesammelten Mengen sind in den vergangenen zwei Jahren um 25 Prozent eingebrochen“, sagt Günther Batschak, Landesgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes im Saarland. Die bundesweiten Kleidersammlungen bringen der Organisation 11 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Da sind die Kosten für Personal und Transport der Textilien schon abgezogen.

„Das wird aber weniger. Und wenn der Ertrag sinkt, können wir auch weniger soziale Projekte realisieren“, so Batschak. Nicht nur Rotes Kreuz und Co. leiden unter dieser Entwicklung. Auch die Unternehmen, die vom Kleidersortieren leben, klagen über Warenknappheit. Fairwertung-Experte Voget: „In diesem Frühjahr mussten mehrere Betriebe daher Kurzarbeit anmelden.“

Und nicht zuletzt dürfen seit einem Jahr, als das Kreislaufwirtschaftsgesetz in Kraft getreten ist, auch noch Kommunen Kleider zu Geld machen.

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aktualisiert am 29.03.2016

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