Im Rolli an der Werkbank: So sorgen Chemie-Unternehmen für ein gutes Miteinander: AKTIVonline

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Im Rolli an der Werkbank: So sorgen Chemie-Unternehmen für ein gutes Miteinander


Hanau. Seine ganze Kraft und Zuversicht drückt Panagiotis Tilentzidis mit einem einzigen Satz aus: „Ich will so wenig Veränderung in meinem Leben wie möglich.“ Gesagt hat er das vor drei Jahren. Es war seine Reaktion auf die Diagnose, dass er querschnittsgelähmt bleibt nach einem schweren Sturz mit dem Mountain-Bike. Doch einen Alltag ohne die Arbeit und die Kollegen mochte sich der heute 30-Jährige nicht vorstellen.

Der Mechatroniker betreut Beschichtungsanlagen beim Technologiekonzern Heraeus im hessischen Hanau – vom Rollstuhl aus.So wenig Veränderung wie möglich: Das war eine Herausforderung. Denn ein Mechatroniker hat keinen Schreibtisch-Job.

„Wir wollten ihn als Fachkraft zurückhaben“, sagt Jérome Wäldchen von der Heraeus Sozialberatung. Er bildete ein Hilfsteam, Heraeus und die Bundesagentur für Arbeit unterstützten die Maßnahme mit 50.000  Euro.

Nach mehreren Monaten der Planung gab es am Ende neben einer umgebauten Toilette und einem Spezialrollstuhl sogar einen veränderten Produktionsprozess. Inzwischen kommt Tilentzidis wieder ganz normal zur Arbeit. Und steigt nach Feierabend aufs Rad – ein Handbike. „Jetzt habe ich mein Leben wieder“, sagt er.

Panagiotis Tilentzidis ist kein Einzelfall. 2011 lebten bundesweit 3,23 Millionen schwerbehinderte Menschen im erwerbsfähigen Alter, so die jüngste Erhebung der Bundesagentur. Ein Drittel von ihnen ist angestellt, viele in der Chemie-Industrie. Wie Sven Rübmann: An der Hotline bei Roche Diagnostics in Mannheim lotst der blinde 30-Jährige Kunden durch den PC: „Ich habe jeden Schritt im Kopf“, sagt er. Infos und E-Mails liest er über ein Zusatzgerät in Blindenschrift.

Der Gesundheitskonzern Fresenius setzt in Schweinfurt auf gehörlose Mitarbeiter in der Dialysemaschinen-Produktion. Und der Automobilzulieferer Conti-Tech lässt in Hannover von Menschen mit Handicap Antriebsriemen verpacken. Dort sorgen 150 benachteiligte Kollegen dafür, dass jährlich zehn Millionen Riemen in der Schachtel landen.

Bei Wacker Chemie am oberbayerischen Standort Burghausen arbeiten 877 Menschen mit Behinderung, 6,8 Prozent der Belegschaft. Bundesweit beträgt die Quote über alle Branchen 4,5 Prozent (Betriebe ab 20 Mitarbeitern).

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Schlagwörter: Behinderung Chemie

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